10. März 2020, 17:05

OB-Runde: Viel Lob für das Juze Nördlingen

Nördlingens OB-Kandidaten stellten sich im Juze Nördlingen den Fragen der Jugend. Von links: Dr. Mark Tanner, David Wittner, Rita Ortler, Steffen Höhn und Wolfgang Goschenhofer. Bild: Maximilian Bosch
Im Endspurt des Wahlkampfs kamen die Nördlinger OB-Kandidaten im Jugendzentrum zusammen, um sich bei einer Podiumsdiskussion den Fragen junger Bürgerinnen und Bürger zu stellen. Außerdem bestand Gelegenheit, die Kandidaten ganz ungezwungen persönlich kennenzulernen, wovon rege Gebrauch gemacht wurde.

Gut zwei Stunden lang lauschten die circa 100 Gäste im Juze den Ausführungen von Wolfgang Goschenhofer (Grüne), Steffen Höhn (CSU), Rita Ortler (SPD), Dr. Mark Tanner (FDP) und David Wittner (PWG). Im Vorfeld der Veranstaltung wurden online Fragen gesammelt, die der bestens aufgelegte Moderator, Rechtsanwalt und Kabarettist Dr. Dominik Herzog, an die Teilnehmer richtete. Dabei ging es natürlich vornehmlich um die Jugend der Stadt.

Mehr Jugend-Treffpunkte

Wie stellt sich zum Beispiel Wolfgang Goschenhofer in Zukunft das Angebot an Treffpunkten für Jugendliche vor? „Ganz einfach, es muss mehr geben“, lautete die Antwort. Es gebe viele Gruppen, die Platz bräuchten. Den könne man zum Beispiel in einem neuen Stadthaus bieten, das Goschenhofer als OB in Nördlingen einrichten will. Steffen Höhn verwies einerseits auf die Vereine, die der Jugend als Treffpunkt dienen und jungen Menschen früh Gelegenheit geben, Verantwortung zu übernehmen. Andererseits brauche es daneben auch Orte, an denen man einfach „rumhängen“ könne. Zum Beispiel würde ihm ein Grillplatz im Sportpark gefallen.

Wie kann man die Jugend in Nördlingen halten?

Eine Herausforderung für die Stadt sei es laut Herzog auch, junge Leute nach ihrem Studium in der Ferne wieder nach Nördlingen zu locken. Wie wollen die Kandidaten das erreichen? Rita Ortler führte die „weichen“ Standortfaktoren an, die es zu verbessern gelte, zum Beispiel Kinderbetreuung und Bildung. Laut Mark Tanner sei Nördlingen bereits sehr lebenswert, mehr könne man noch erreichen durch eine Stärkung der Vereine und der Freizeitangebote, wobei man auch die Stadtteile nicht vergessen solle. Steffen Höhn hielt eine Stärkung des Hochschulstandorts Nördlingen wichtig für mehr Rückkehrer. Ein neues Wohnheim für Studenten und Azubis zum Beispiel wäre laut dem CSU-Mann dafür eine gute Möglichkeit.

Carsharing – ein Thema für Nördlingen?

Das Thema Mobilität versuchte der Moderator über die Möglichkeit des Carsharings, der geteilten Nutzung von Pkws, zu beleuchten. David Wittner berichtete, dass es dazu Pilotprojekte in ländlichen Regionen gebe, die man beobachten solle. Auch Ortler hielt es für wichtig, verschiedene Projekte im Auge zu behalten, brachte aber eher private Zusammenschlüsse ins Spiel – warum nicht zu fünft zusammentun und ein Auto gemeinsam kaufen?

Goschenhofer erwähnte außerdem ein in Augsburg praktiziertes Flatrate-Modell, bei dem man für einen Festpreis Bus, Bahn, Carsharing und Leihräder nutzen kann. Zusammen mit der Reaktivierung von Bahnlinien wie der Hesselbergbahn könne man so ein gutes Gesamtpaket schnüren. Steffen Höhn und die CSU setzten dagegen auf das Konzept Nö-Mobil, „das kann uns auf dem Land sehr gut helfen.“

Wie bleibt die Innenstadt lebendig?

Um das Aussterben der Altstadt zu verhindern, sei es laut Tanner wichtig, Arztpraxen und Apotheken zentrumsnah zu halten, und darüber hinaus die Kneipenszene nicht mit vielen Regulierungen zu belasten. Auch das neue Hallenbad sei ein „absoluter Magnet“. Dem FDP-Kandidaten zufolge sei es außerdem wichtig, weiterhin kostenfreie Parkplätze in der Innenstadt zu haben.

David Wittner meinte, man brauche für eine lebendige Altstadt Orte der Begegnung: „Wichtig ist, dass wir zusammenkommen.“ Ortler betonte die historische Bausubstanz als höchstes Gut und wünschte sich, dass man die Altstadt nicht immer schlecht rede – man könne hier sehr vieles finden. Steffen Höhn hielt es auch für wichtig, mehr auf kulturelle Angebote zu setzen, zum Beispiel mit Kunst, Musik und Theater auf der Straße.

Arbeit des Jugendzentrums hoch gelobt

In der Fragerunde wurden die Kandidaten um ihre Meinung zur Arbeit des Juze gebeten – wenig überraschend, dass alle die Einrichtung in höchsten Tönen lobten. Ein „zentraler Punkt für die Jugend in Nördlingen“ (Höhn) und ein „wichtiger Teil der Jugendarbeit“ (Ortler) sei das Juze. David Wittner meinte, seit dem Rauchverbot rieche es auch besser, und der Boden würde heutzutage nicht mehr so kleben, womit er die Lacher auf seiner Seite hatte. Auf die Frage, ob das Juze bei einer eventuellen Bebauung des Döderlein-Geländes wie bisher weiter bestehen könne, sprach Wolfgang Goschenhofer der Einrichtung sogar eine „Bestandsgarantie“ aus. „Es gibt keinen besseren Standort als hier“, sagte Rita Ortler.

Dr. Dominik Herzog führte humorvoll durch den Abend. Bild: Maximilian Bosch