6. März 2017, 10:00

Die Zukunft hat begonnen: Industrie 4.0 im Landkreis Donau-Ries

Bild: DRA
Im aktuellen blättle geht es im Titelthema um Industrie 4.0. Wir haben uns auch im Landkreis umgeschaut, um uns ein Bild davon zu machen, wie weit die vierte industrielle Revolution hierzulande bereits fortgeschritten ist. Lest jetzt auch online, was bereits real und was noch Zukunftsmusik ist. Teil 1 nimmt euch mit in die Vergangenheit. Zusammen tauchen wir in die Geschichte der industriellen Revolution in Deutschland ab. Viel Spaß beim Lesen!

Aus dem Dornröschenschlaf erweckt - die industrielle Revolution in Deutschland

 3D-Drucker, Robotik oder selbstfahrende Autos – technische Innovationen sind dabei, die Welt der Industrie zu revolutionieren. Unsere Art zu leben, zu arbeiten und der Umgang untereinander wird dadurch grundlegend verändert werden. Wir sind auf dem Weg zur Industrie 4.0. Was wir früher nur aus futuristischen Filmen kannten, ist in greifbare Nähe gerückt und wird langsam real. Drei industrielle Revolutionen haben wir bereits hinter uns. Jetzt stehen wir vor der vierten – oder sind wir bereits mittendrin?
Spricht man von Revolution, so ist damit gemäß der Definition gemeint, dass ein tiefgreifender Wandel erfolgt. Im Laufe der Geschichte fanden immer wieder Revolutionen statt. Neue Technologien oder Weltansichten können einen Wandel von Wirtschaftssystemen oder Gesellschaftsstrukturen auslösen. Bereits lange bevor auch nur vom Ansatz her an eine industrielle Revolution zu denken war, fanden bereits Revolutionen auf anderen Gebieten statt. Der erste tiefgreifende Eingriff in unsere Art zu leben, fand vor rund 10 000 Jahren statt. Statt Jagen und Sammeln standen Ackerbau und Viehzucht auf der Tagesordnung. Darauf folgte die landwirtschaftliche Revolution, in deren Nachgang die Arbeitskraft von Mensch und Tier verknüpft wurde. Das hatte zur Folge, dass sich die Nahrungsmittelproduktion erhöhte und die Bevölkerung wuchs. Erst entstanden daraus größere menschliche Siedlungen, dann kam es zur Urbanisierung und dem Aufstieg der Städte. Der landwirtschaftlichen Revolution folgten dann eine Reihe industrieller Revolutionen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lag Deutschland noch im Dornröschenschlaf. Die meisten Menschen arbeiteten auf dem Feld oder im Stall und das Handwerk litt unter starren Zunftschranken. Deutschland war eine zersplitternde Nation ohne gemeinsames Staatsgebiet und einheitliche Maßeinheiten. Viele Teilstaaten schotteten ihre Märkte mit Zöllen gegeneinander ab. Gab es um 1800 noch keine einzige Eisenbahntrasse, waren es knapp 100 Jahre später schon 50 000 Streckenkilometer. In den Städten rauchten die Fabrikschlote, an der Börse wurde spekuliert und statt Kerzen
brannten Glühbirnen in den Häusern. Die Industrialisierung hatte begonnen – und auch Deutschland war aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Angestoßen wurde die Industrialisierung von „oben". 1803 wurde Deutschland neu geordnet, erzwungen durch Napoleon. Viele Kleinstaaten verschwanden. 1807 befreite Preußen die Bauern aus der Leibeigenschaft. 1834 wurde schließlich der Deutsche Zollverein gegründet. Ab diesem Zeitpunkt gelangten Waren zollfrei von einer Stadt zur nächsten. Ein Anfang war gemacht.
Industrie 1.0 – Erste automatisierte Produktion
Dreh- und Angelpunkt der ersten industriellen Revolution: Die Dampfmaschine. Bild: Pixabay
Der Motor der ersten industriellen Revolution waren die Dampfmaschine und der Eisenbahnbau. Ab den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts entstehen im ganzen Land Bahntrassen. Damit diese gebaut werden können, wird Eisen benötigt. Um aus Eisen Stahl zu gewinnen, brauchte es Kohle – ein Kreislauf, der eine industrielle Eigendynamik entwickelte. So entwickelte sich das Ruhrgebiet schnell zum Zentrum der Kohleförderung. Zudem startete die erste Massenproduktion durch Maschinen. Während ein Großteil der Maschinen noch durch menschliche Kraft betrieben wurden, wurden auch erste mechanische Produktionsanlagen gebaut. Der erstarkenden Wirtschaft kam Mitte der 1850er Jahre ein weiterer Faktor zu Gute: Die Nachfrage nach Konsumgütern wuchs. Die Textilindustrie war auf dem Vormarsch, Genussmittel wie Tabak und Zucker fanden reißenden Absatz. Auch die steigenden Löhne trugen ihren Teil dazu bei. 30 Jahre zuvor hätte das kaum jemand für möglich gehalten. Damals wuchs die Bevölkerung rasant, aber Arbeit gab es nicht. 800 000 Arbeitsplätze fehlten, das Land befand sich in der sogenannten Pauperismuskrise (pauper = lat.: arm). In den 50er Jahren benötigte die Industrie dann so viele Arbeitskräfte, dass dieses Problem gelöst wurde.
Industrie 2.0 – Henry Ford und das erste Fließband
Ein Pionier in der Automobilindustrie: Henry Ford. Bild: Pixabay
Ende des 19. Jahrhundert begann mit Einführung der Elektrizität als Antriebskraft die zweite industrielle Revolution. In der Autoproduktion führte Henry Ford im Jahr 1913 das Fließband ein. Die Mitarbeiter mussten nur noch einen Handgriff erledigen. Die Produktion wurde schneller. Bereits bestehende Industriezweige entwickelten sich stärker als je zuvor in Richtung einer noch effektiveren Arbeits- und Organisationsoptimierung. Neue Industriezweige entwickelten sich. So zum Beispiel die chemische Industrie mit BASF und Bayer, die Automobilindustrie (z. B. Benz, Bosch, Daimler), sowie die Elektroindustrie mit AEG und Siemens. Vor allem für die Landwirtschaft produzierte die chemische Industrie wichtige Pflanzenschutz- und Düngemittel, sowie verschiedene Kunst- und Farbstoffe. Die zweite industrielle Revolution brachte einen noch nie dagewesenen Aufschwung in Bildung und Kultur mit sich. Um die Industrialisierung weiter voranzutreiben, wurden besonders Technische Hochschulen, Universitäten und naturwissenschaftliche Fakultäten staatlich gefördert.
Industrie 3.0 – Der Siegeszug des PC
Weitere Automatisierungen durch Elektronik und IT standen ab den 1970er Jahren an erster Stelle. Die dritte industrielle Revolution warf ihre Schatten voraus. Mit dem Personal Computer (PC) für zuhause und das Büro wurde ein neuer Industriezweig begründet. Bereits in den 1940er Jahren fanden Rechenmaschinen ihren Weg in die großen Unternehmen.
Industrie 4.0 – Das Internet der Dinge
Vor einigen Jahren noch undenkbar, heute schon fast Alltag: Der 3D-Drucker. Bild: Pixabay
Seit Ende des 20. Jahrhunderts hat die vierte industrielle Revolution begonnen. Ehemals analoge Techniken werden zunehmend digitalisiert. Statt einer Produktion auf Lager, werden viele Produkte auf Nachfrage oder nach dem tatsächlichen Bedarf produziert. Die Fertigung nimmt Fahrt auf und funktioniert noch schneller – Ressourcen werden eingespart, Abfallmengen verringert. Auch eine exaktere Reaktion auf Bedürfnisse, Geschmäcker und Trends bringt die Industrie 4.0 mit sich. Die Bandbreite an Modellen und Produktausführungen wächst stetig. Die Maschinen werden immer stärker miteinander vernetzt, immer wieder hört man vom Internet der Dinge und die ersten intelligenten Fabriken entstehen. Selbstfahrende Autos und 3D-Drucker gehören nicht mehr in futuristische Filme, sondern zu unserem Alltag. Sogar unsere Handys sind mittlerweile smart und können deutlich mehr als der erste PC. Jeden Tag entwickelt sich die Technik weiter. Unsere Welt ist so schnelllebig wie noch nie. Wir befinden uns mitten in der vierten industriellen Revolution.
Diana Hahn
Diana Hahn , Donau-Ries-Aktuell

Redaktionsleitung. Unterwegs für blättle und online. Ob Wirtschaft, neue Technologien oder Historisches aus dem Landkreis – sie fühlt sich in allen Themen zu Hause und mittlerweile auch in unserem Landkreis, als „Zugreiste“ aus dem Raum Dillingen. Hinterfragt gründlich und bringt Dinge auf den Punkt.

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