26. Oktober 2019, 08:00

Pommes aus der Tilly-Stadt

Bild: Diana Hahn
Pommes frites – wer isst sie nicht gern? Der Verbrauch in Deutschland liegt bei rund 300000 Tonnen im Jahr. Etwa die Hälfte dieser Menge wird jedes Jahr in Rain am Lech hergestellt. Aus ca. 250 000 Tonnen Kartoffeln produziert Aviko dort jährlich 150 000 Tonnen Pommes frites. Unser Geschäftsführer Matthias Stark hat sich in Rain angeschaut, wie Kartoffeln zu Pommes frites werden.

Pommes frites haben in Rain eine lange Geschichte. Bereits seit 1964 werden hier Kartoffelprodukte hergestellt, seit 1989 unter dem Namen Aviko. Der aktuelle Betriebsleiter, Philip Stevenije, ist seit 2013 am Standort in Rain tätig und begrüßt uns im Werk in Rain. Er verantwortet in der Tilly-Stadt die größte Produktionsstraße der niederländischen Aviko-Gruppe. 150 Menschen arbeiten dort. „In den letzten Jahren hat das Unternehmen viel Geld in den Standort in Rain investiert. 2017 wurde die Produktionsstraße für 25 Millionen Euro erneuert. Vor einem Monat haben wir unser neues Kühlhaus in Betrieb genommen. Dafür wurden 15 Millionen Euro investiert. Rain wurde damit zu einem der großen Logistikzentren der Aviko-Gruppe“, so Philip Stevenije.

Über 50 Prozent der Produkte aus Rain gehen in den Export, nach Österreich, Italien und Spanien. Aber auch bis nach China werden die Pommes frites aus bayerischen Kartoffeln geliefert. „90 Prozent der Kartoffeln, die wir verarbeiten, stammen aus Bayern. Kartoffelverarbeitende Betriebe entstehen auch oft dort, wo genügend Anbaufläche vorhanden ist. Ein Transport über mehrere hundert Kilometer tut den Kartoffeln nicht gut und ist sehr teuer “, erklärt der Betriebsleiter weiter.

 

Eine Verständigung ist in der Produktion nur über Mikrofon und Kopfhörer möglich. Bild: Diana Hahn

Dann machen wir uns auf den Weg ins Herz des Werks: der Pommes Linie. Zuerst heißt es aber, sich entsprechend einzukleiden. Haarnetz, Gehörschutz, Sicherheitsschuhe und Jacken sind Pflicht. Über eine Hygieneschleuse geht es in den Produktionsbereich. Die Temperaturen liegen teilweise bei über 30° C, dazu herrscht eine erhöhte Lautstärke , eine Verständigung ist deshalb nur über ein Mikrofon und Kopfhörer möglich. Vor uns liegt eine rund hundert Meter lange Halle. Unzählige Förderbänder laufen durch die Fertigungshalle, kreuzen sich und verschwinden in riesigen Maschinen. „Herzlich willkommen in unserer Produktion“, sagt der Betriebsleiter lachend und führt uns zum Förderband, welches Tonne um Tonne Kartoffeln in die Halle bringt.

„Die Kartoffeln werden von unserem Zulieferer und direktem Nachbarn, dem Kartoffel-Centrum Bayern (KCB), just in time angeliefert. Für die rohen Kartoffeln haben wir keine Lagermöglichkeit. Beim KCB werden die Kartoffeln gereinigt und vorsortiert. „Der zweite Schritt ist das Schälen der Kartoffeln. Das geschieht durch Dampf und Druck. Dadurch platzt die Schale zu großen Teilen ab. Die Reste werden anschließend in einer weiteren Maschine abgeschrubbt“, erläutert Stevenije. Er führt uns weiter durch den Leitstand der Produktion zum Schnitt der Kartoffeln. „Die Kartoffeln werden mittels Wasserröhren über Messer geleitet und dadurch geschnitten. Anschließend werden die Pommes nach Länge und Qualität sortiert“, erklärt mir der Betriebsleiter den Ablauf.

 

Bild: Diana Hahn

In einem Zwischenschritt werden die rohen Pommes blanchiert und getrocknet. Dann geht es in die Fritteuse. „Das Blanchieren bewirkt, dass die Pommes durch das Frittieren nicht Grau, sondern Goldgelb werden und eine schöne Farbe haben. Unsere Fritteuse hat eine Länge von zwölf Metern. Darin befinden sich 18000 Liter Öl, die die Pommes frites bei rund 170° C vorfrittieren“, beschreibt Philip Stevenije den Vorgang. Dass hier Pommes frittiert werden, merkt man auch an den herrschenden Temperaturen und dem Geruch, der in der Luft liegt. Nachdem die Pommes vorfrittiert wurden steht der letzte Arbeitsschritt in der Produktion an. Die Pommes werden gefrostet. Im 70 Meter langem Bandfroster werden die Pommes schrittweise auf -10° C gekühlt. Anschließend werden die Pommes abgefüllt und verpackt. „Je nach Kundenauftrag werden diese in Beutel zwischen 450 Gramm und 2,5 Kilogramm verpackt. Außerdem beliefern wir viele Fastfood-Ketten mit unseren Pommes“, erklärt der Belgier weiter und führt uns durch die Verpackung. Von dort geht es in das neue Kühlhaus. In drei Hochlagern finden bis zu 25 000 Paletten Platz. Es herrschen dort -22° C und das Gebäude wird nur in Ausnahmefällen betreten, denn alles andere läuft dort vollautomatisch ab. Roboter kümmern sich um die Kommissionierung der Ware, bevor verladen und ausgeliefert wird.

Nachdem wir die Produktion wieder verlassen haben, sprechen wir noch über die Verwertung der weiteren Teile der Kartoffeln. „Die Abschnitte und zu kleinen Kartoffeln werden von uns nicht entsorgt, sondern daraus produzieren wir in einer kleinen Nebenlinie Kartoffelflocken. Die Schale verkaufen wir als Futter für die Tierhaltung. Und auch die während der Produktion austretende Stärke wird von uns nicht entsorgt, sondern in einer separaten Anlage vom Wasser getrennt und anschließend ebenfalls vermarktet“, so Stevenije abschließend.

Insgesamt drei Stunden dauert es von der Ankunft der Kartoffel in der Fertigungsstraße, bis die Pommes das Kühlhaus erreichen. Pro Stunde können in Rain 25 Tonnen Pommes produziert werden. Am Tag können so rund 600 Tonnen Pommes frites produziert werden. Gearbeitet wird in Rain in drei Schichten, 24 Stunden am Tag. Sogar am Wochenende wird bei Aviko in Rain gearbeitet. | Am Ende unserer kleinen Führung durch das Werk gibt es natürlich frische Pommes frites für uns.