3. Juni 2021, 08:00
Interview mit Autorin Karin Wurst

99 Mal Spargelgenuss

Karin Wurst aus Rain hat ein Spargelbuch geschrieben. Bild: Privat
Karin Wurst aus Rain war viele Jahre lang am Staatlichen Schulamt Fachberaterin für Ernährung und Gestaltung. Bereits in den 1990er Jahren reifte in ihr der Wunsch, ein Kochbuch über Spargel zu schreiben. Zwanzig Jahre nach Erscheinen ihres Werkes, feiert sie nun mit einer Jubiläumsausgabe das „weiße Gold“.

Hallo Frau Wurst, erzählen Sie doch zu Beginn ein wenig über sich selbst.

Aufgewachsen bin ich mit zwei Schwestern und zwei Brüdern auf dem landwirtschaftlichen Lehrbetrieb meiner Eltern in Rain am Lech in der Hauptstraße 1. Meine Großeltern bauten vor über 100 Jahren hier in Rain für ihren Gasthof Spargel an. Beruflich war ich Fachberaterin für Ernährung und Gestaltung am Staatlichen Schulamt Donau-Ries und zuständig für circa 80 Fachkolleginnen, die an 36 Schulen im Landkreis unterrichteten. Dadurch lernte ich unseren Landkreis ganz gut kennen.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, ein Buch über Spargel zu schreiben?

Die Anregung zu einem Spargelkochbuch gab mir im Jahr 1997 meine Schwester Gudrun. Sie und ihre Familie haben in Thüringen erstmals 1992 Spargel kultiviert und bauen ihn seitdem dort sehr erfolgreich an. Aufgrund dessen ist im Jahr 2000 mein erstes Buch „Spargelgerichte“ entstanden, das ich am PC selbst gestaltet, ausgedruckt und mit einem Drahtbindegerät gebunden habe.

Wie lange hat es gedauert bis Ihr Buch fertig war?

Eigentlich ist es erst jetzt fertig, nach 20 Jahren. Die Spargelzeit ist kurz und die Gerichte muss man nach der Zubereitung sofort essen. Da ich die Fotos selbst mache, geschieht das während und kurz nach der Zubereitung. Ich habe viele Rezepte gesammelt, überlieferte und überarbeitete Rezepte aus unseren Familien, aus Kochbüchern, auch aus Zeitungen, Zeitschriften, Fernsehsendungen. Immer wieder habe ich diese ausprobiert, abgeändert, an den Rezepten gefeilt, dann mit meiner Familie und Freunden probiert und bewertet.

Was ist das Besondere an Ihrem Buch?

Die Rezepte und Anleitungen sind übersichtlich, klar und verständlich beschrieben. Leser*innen finden erprobte Rezepte für die feine Küche und die einfache Alltagsküche. Lebensmittel sind problemlos zu besorgen, viele der Zutaten befinden sich im Vorrat. Die Rezepte sind so angelegt, dass Abwandlungen möglich sind. Großen Wert habe ich auf Nachhaltigkeit und Regionalität gelegt. Es wurde besonders auf ernährungs-physiologische Aspekte geachtet. Frischkräuter sind beim jeweiligen Rezept mit Foto im Info-kasten beschrieben. Auch für Vegetarier*innen finden sich viele Rezepte.

Was macht Spargel als Lebensmittel eigentlich so besonders?

Spargel gilt als Alleskönner: Er ist reich an Ballaststoffen, Folsäuren, Kalzium, Magnesium und Vitamin-B, hilft unter anderem gegen Verstopfung, Leber- und Gallenbeschwerden und entgiftet den Körper auf natürliche Weise, fördert die Nierentätigkeit und enthält bioaktive Substanzen. Da das Gemüse zu 95 Prozent aus Wasser besteht, hat es kaum Kalorien und eignet sich daher gut zur Gewichtsreduzierung. Sein botanischer Name Asparagus offi cinalis (dt. arzneilicher Spargel) zeigt schon, dass er früher hauptsächlich als Heilmittel verwendet wurde. Deshalb finden sich in Mitteleuropa ab dem 16. Jahrhundert vorwiegend in Klöstern Aufzeichnungen zu Anbau und Wirkung. Schon der Gedanke an ein schönes Spargelessen hebt die Stimmung, wie ich finde. Spargel kann aphrodisierend wirken. Die enthaltene Folsäure, mehr davon hat der grüne Spargel, kann gegen Stimmungsschwankungen helfen und depressive Gemütszustände reduzieren.

Was ist Ihr Lieblingsspargelrezept?

(lacht) Das ist für mich nicht einfach zu beantworten. Sagen wir so: alle Rezepte in meinem Buch sind meine Lieblingsrezepte. 

Frischer Spargel aus regionalem Anbau und Erdbeeren zum selber pflücken