25. September 2020, 09:00

Anton Fugger und die Reichspflege Donauwörth

Anton Fugger war der Bauherr des Fuggerhauses in Donauwörth. Bild: Wikimedia commons, allgemeinfrei
Nirgendwo in unserer Heimat war der Einfluss der Fugger so unmittelbar spürbar wie in Donauwörth.

Für ein Pfand von 6600 Gulden sicherte sich Anton Fugger im Jahr 1536 die Reichspflege Wörth. So hieß damals das direkt dem Kaiser unterstellte Herrschaftsgebiet Mertingenmit Riedlingen. Die Reichspflege Wörth ging aus der von Kaiser Heinrich VI. im 12. Jahrhundert geschaffenen Vogtei Wörth hervor, zu der zu dieser Zeit auch noch die Stadt Wörth (das heutige Donauwörth) gehörte. 1481 wurden Stadt und Land jedoch von König Friedrich III. getrennt, nachdem die Donauwörther Bürger, die zuvor beides kontrollierten, ihm die Gefolgschaft verweigert hatten.

Nun also war Anton Fugger Reichspfleger mit Sitz in Donauwörth. Kaiser Karl V., dessen Haus die Familie Fugger schon lange eng an sich gebunden hatte, war der strenggläubige Katholik Anton Fugger ein willkommener Statthalter gegen den aufkommenden Protestantismus. Als leidenschaftlichem Anhänger der Renaissance war dem Fugger allerdings neues Denken auch nicht fremd. Er sah sich nicht allein in der Welt des Mittelalters gefangen, in der der Mensch nur auf das Jenseits hinarbeitete, sondern wollte das Diesseits in seinem Sinn gestalten. Das unübersehbare Zeichen für seinen Macht- und Geltungsanspruch ist das Pfleghaus, heute Fuggerhaus genannt, das Anton Fugger auf dem höchsten Punkt der Stadt errichten ließ. Im Jahr 1546 wurde das mit einer Investitionssumme von 35.000 Gulden sündhaft teure Bauwerk fertiggestellt und diente dem Fugger als Herrschaftssitz. Bereits von außen beeindruckend, bekamen den wahren Reichtum des Fuggers nur ausgewählte Gäste im Obergeschoss des Hauses zu Gesicht, das prachtvoll eingerichtet war und Besucher in Staunen versetzen sollte. Marmorböden, schön gearbeitete Portalanlagen und Kassettendecken, gefertigt von den besten Kunsthandwerkern nach den neuesten Methoden der europäischen Renaissance, machen das Fuggerhaus zu einem der wichtigsten Denkmäler dieser Zeit in Schwaben. 

Damals wie heute wird im Fuggerhaus das Land regiert: Seit 1972 sitzt die Verwaltung des damals neu geschaffenen Landkreises Donau-Ries im Fuggerhaus. Zuvor wurde das historische Gebäude zum Sitz des Landgerichts Donauwörth (1803) und später des Bezirksamts Donauwörth (1862) – Vorläufer unseres heutigen Landratsamtes.

Streit um die religiöse Vormacht

Mit den modernen Verwaltungsstrukturen, die im Laufe der Geschichte im Fuggerhaus einziehen sollten, hatten dessen Namensgeber jedoch nichts mehr zu tun. 1597 wurde Georg Fugger zum Inhaber der Reichspflege Wörth. Der Mann machte sich – gelinde gesagt – keine Freunde in der Stadt. Im Gegensatz zu Anton Fugger, der selbst nicht in Donauwörth wohnte und die Geschäfte von einem Verwalter führen ließ, zog Georg Fugger selbst in das prachtvolle Haus ein. Damit begab er sich mitten in den Religionsstreit, der zwischen Lutherischen und Katholiken in Donauwörth tobte. In diesen mischte sich der katholische Fugger ein, indem er in der Reichspflege einen neuen Kalender einführte, der die Feiertage verlegte. Damit konnten die Donauwörther an manchen für sie normalen Werktagen in der Reichspflege keinen Handel treiben. Die Donauwörther Stadtherren revanchierten sich 1605, als sie ein gerade von Georg Fugger gekauftes Haus beschlagnahmten.

Ihren Höhepunkt fand die Auseinandersetzung 1606: Bei der jährlichen Markustag-Prozession des Klosters Heilig Kreuz – letztes Bollwerk des Katholizismus im protestantischen Donauwörth – griffen einige Donauwörther die Teilnehmer, unter ihnen Georg Fugger, mit Hopfenstangen an. Dabei wurde die Kreuzfahne zerrissen, was Ereignisse in Gang setzte, die für Donauwörth letztlich zum Verlust ihres Status als Freie Reichsstadt führten.

1608 verließ Georg Fugger Donauwörth wieder, unter seinem Verwalter Andreas Wanner gedieh die Reichspflege Wörth – bis 1618 der Dreißigjährige Krieg begann und Hunger, Leid und Zerstörung Einzug hielten. Das von den Fuggern beherrschte Land wurde verwüstet und weitgehend zerstört. Am Wiederaufbau konnte sich der verschuldete Graf Nikolaus Fugger nicht beteiligen, die Verbindungen der Familie nach Tirol trugen allerdings dazu bei, in den nach dem Krieg menschenleeren Landstrichen wieder Bewohner anzusiedeln. Während es mit der Reichspflege in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wieder bergauf ging, ging es mit ihren Inhabern bergab: Die Fugger verloren ihr Geld und damit ihre Macht. Graf Marquard Eustach Fugger war es schließlich, der 1723 die Reichspflege Wörth an die Stadt Donauwörth verkaufen musste, für einen Preis von 183.194 Gulden. Nach knapp 200 Jahren war damit die Zeit der Fugger in Donauwörth zu Ende.