6. Februar 2021, 09:00

Tabletklasse der Hans-Leipelt-Schule Donauwörth

Bild: Maximilian Bosch
Ist Schulunterricht mit zahlreichen Büchern und Heften in einer schweren Schultasche in unserer Zeit noch angemessen? Die Alternative ist das Tablet als multifunktionales Lehr- und Lernwerkzeug. Wie der Unterricht damit aussehen kann, wird seit diesem Schuljahr an der Hans-Leipelt-Schule in Donauwörth erprobt.

Eine 11. Klasse des Technikzweigs der Fachoberschule an der FOS/BOS Donauwörth wird komplett über Tablets unterrichtet. Die 27 Schülerinnen und Schüler brauchen im Schulalltag keine Stifte und keine Bücher, sondern können sämtliche Unterrichtsstunden und Hausaufgaben mit ihren Tabletcomputern bestreiten. Laut Klassenleiter Michael Vellinger hat das System klare Vorteile, angefangen bei der Organisation: Alle haben stets sämtliche Bücher und Hefteinträge bei sich und können darauf zugreifen, man kann nichts zuhause vergessen. Im Unterricht eröffnen die Geräte neue Möglichkeiten, denn die Schüler sind stets mit dem Internet verbunden, können recherchieren und geeignete Unterrichtsprogramme nutzen. Besonders wichtig für naturwissenschaftliche Fächer wie Mathematik und Physik ist die Option, mit einem speziellen Stift Skizzen anzufertigen und Graphen zu zeichnen. Darauf wurde bereits bei der Anschaffung der Geräte Wert gelegt, berichtet Schulleiterin Doris Barth-Rieder. Des Weiteren gibt es spezielle Lernprogramme mit einem Punktesystem und einer klasseninternen Wertung, wie zum Beispiel ein Quiz, in dem die Schüler ihr Wissen testen und sich miteinander messen können. Die Teilnehmer erhalten außerdem direkt Rückmeldung, ob sie richtig oder falsch liegen, was die Motivation deutlich erhöht – vorbei sind die Zeiten, in denen man auf die Korrektur durch den Lehrer wartet.

Bild: Maximilian Bosch

Jeder soll mitmachen können

„Eine Voraussetzung für die Einrichtung der Tabletklasse war für uns, allen Schülern die Möglichkeit zur Teilnahme daran zu bieten, nicht nur denen, die es sich leisten können“, erklärt die Schulleiterin. Die Grundlage dazu schuf das Landratsamt Donau-Ries, das für die Schule 26 Tabletcomputer von Microsoft angeschafft hat. 21 der Geräte sind im Moment an die Schülerinnen und Schüler verliehen, teilweise nutzen die Jugendlichen eigene Geräte, die auch von anderen Herstellern stammen können – der Unterricht soll bewusst nicht auf ein bestimmtes System zugeschnitten sein. Zählt man die zweite Tabletklasse im Zweig Wirtschaft und Verwaltung hinzu, arbeiten 48 Schüler im Klassenverband mit einem Tablet.

Wie der stellvertretende Schulleiter Richard Strehle erklärt, sind auch die Vorteile bei der Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien nicht zu verkennen. Knapp eine Million Fotokopien fallen an der Hans-Leipelt-Schule jedes Jahr an – für Arbeitsblätter, Schularbeiten und vieles mehr. Durch die digitale Bereitstellung per Tablet kann hier viel eingespart werden. Keine Probleme bei der Arbeitsmoral Mancher könnte Bedenken haben, Schüler im Unterricht durchgängig am Computer sitzen zu lassen – wird da nicht lieber mal im Internet gesurft oder gespielt, anstatt gearbeitet? Bisher habe man keine negativen Erfahrungen gemacht, berichtet Michael Vellinger. Die Schülerinnen und Schüler seien froh, mit den Geräten arbeiten zu können, ein Missbrauch komme eigentlich nicht vor. „Zumindest nicht mehr als im konventionellen Unterricht“, so der Klassenleiter. Die Tablets liegen außerdem flach auf dem Tisch und sind vom Lehrer leicht einsehbar, und Tests werden auch in der Tabletklasse mit Stift und Papier geschrieben – da kommen die Tablets unter den Tisch.

Für den Umgang mit den Leihgeräten gibt es eine Hausordnung, an welche sich die Jugendlichen zu halten haben. Außerdem haften die Ausleiher für Schäden, die über den üblichen Verschleiß hinausgehen – auf die circa 1000 Euro teuren Microsoft-Tablets wird dementsprechend gut geachtet.

Bild: Maximilian Bosch

Digitalisierung – ein Prozess über viele Jahre

Laut Doris Barth-Rieder sollen, wenn die Voraussetzungen stimmen, irgendwann alle Schüler und Lehrer ein Tablet bekommen und im Unterricht nutzen können. Eine zweite Tabletklasse im Zweig Wirtschaft und Verwaltung mit 26 Schülern ist bereits eingerichtet, aber nicht vollständig mit Geräten ausgestattet. Man lerne aus den Erfahrungen, die man jetzt mit der Tabletklasse mache, so die Schulleiterin. Zum Beispiel sei man gerade dabei, das WLAN im Haus zu verbessern, denn je mehr Geräte die schulische Internetverbindung gleichzeitig benutzen, desto mehr geht das System in die Knie.

Auch wenn die Digitalisierung an der Hans-Leipelt-Schule voran geht, eines möchte Barth-Rieder betonen: „Wir zwingen Schüler nicht zum Umgang mit den Geräten, sondern wollen sie an die Technik heranführen.“ Dass die Schülerschaft dazu bereit ist, zeigt eine Umfrage aus dem Januar 2020, derzufolge circa 75 Prozent der Schülerinnen und Schüler gerne ein Tablet für den Unterricht nutzen möchte.