30. März 2020, 10:00

Theorie und Praxis gehen Hand in Hand

Auch Kochunterricht in der schuleigenen Küche steht auf dem Stundenplan. Bild: Diana Hahn
Was steckt drin in den Produkten, die wir jeden Tag verwenden, egal ob zum Kochen, Waschen oder Putzen? Wie wird gesundes Essen aus regionalen Produkten zubereitet und welche kleinen Tricks erleichtern alltägliche Haushaltstätigkeiten? Ein Semester, rund zwei Jahre lang, stehen neben Kochen, Nähen und Putzen auch Ernährungslehre, Berufs- und Arbeitspädagogik sowie Haushalts- und Finanzmanagement auf dem Stundenplan der Schülerinnen der Hauswirtschaftsschule beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Nördlingen.

In 660 Unterrichtsstunden erlangen die Schülerinnen grundlegende Kenntnisse über alle Bereiche der Hauswirtschaft. In Nördlingen handelt es sich um eine Teilzeitschule. Das bedeutet, dass die Schülerinnen nur an einem Tag in der Woche den Unterricht besuchen und so Familie, Haushalt und Berufstätigkeit besser miteinander vereinbaren können. Der feste Unterrichtstag ist dabei immer der Mittwoch. Punkt 8:15 Uhr beginnt der Unterricht. „Dafür ist an diesem Tag auch ein knackiges Programm zu absolvieren“, erklärt Brigitte Steinle, die Schulleiterin. Auch Ferien haben die Studierenden. Im Sommer sind das fünf Wochen und um Weihnachten sind in der Regel zwei Wochen unterrichtsfrei.

Schülerinnen aus unterschiedlichsten Bereichen


Die Schülerinnen kommen dabei aus komplett verschiedenen Berufen und bringen die unterschiedlichsten Vorkenntnisse im Bereich Hauswirtschaft mit. „Unter den Schülerinnen sind junge Frauen, die auf einen landwirtschaftlichen Betrieb eingeheiratet haben, ursprünglich einen anderen Beruf erlernt haben und sich jetzt Kenntnisse aneignen möchten, wie sie einen Haushalt fachkundig führen. Aber auch Frauen, die in ihrer Elternzeit von Grund auf erlernen möchten, wie ein Haushalt geführt wird sind dabei. Obwohl unsere Schule für Frauen und Männer offen ist, hatten wir in unseren bisher 14 Durchgängen erst einmal einen jungen Mann dabei. Er war Krankenpfleger. Für seine spätere berufliche Zukunft wollte er in einer Einrichtung für betreutes Wohnen arbeiten und sich deshalb auch Fähigkeiten im Bereich der Hauswirtschaft aneignen“, erklärt Brigitte Steinle In Nördlingen lernen die Schülerinnen wie sie ihren Haushalt, die Kindererziehung, den eigenen Beruf und auch die Mitarbeit auf dem landwirtschaftlichen Betrieb noch effizienter gestalten können. „Gerade deshalb ist es für unsere Studierenden auch wichtig das richtige Zeitmanagement zu erlernen“, erklärt Brigitte Steinle. Dabei gehe es vor allem darum, dass die Schülerinnen lernen ihren Alltag sinnvoll zu strukturieren und so auch Auszeiten zu schaffen, um diese für sich selbst zu nutzen. Die Unterrichtsinhalte erlernen die Frauen in Theorie und Praxis, immer zugeschnitten auf ihre jeweilige Situation. „Seit dem Winter 1927/1928 gibt es unsere Schule in Nördlingen. Es ist gar nicht so einfach eine so lange Tradition zu haben. Dann läuft man auch Gefahr altmodisch zu wirken. Wir sehen uns allerdings als moderne Schule, die Traditionen bewahren und weitertragen möchte“, erklärt die Schulleiterin.

Per se nachhaltig

Auch Nachhaltigkeit sei in der Schule ein Thema. „Die Hauswirtschaft ist ja eigentlich per se nachhaltig. Da man sich bei der Haushaltsführung auch immer die Frage stellen sollte, wie man etwas wiederholt nutzen oder wiederverwerten kann. Gerade bei Lebensmitteln bringen wir unseren Schülerinnen bei, alle Teile zu verwenden. Aber auch kreative Geschenke selbst zu machen und Textilien und Möbel so zu pflegen, dass sie lange benutzt werden können, gehört zu den Unterrichtsinhalten“, so Steinle.
Mit dem Abschluss der kostenfreien Schule darf sich jede Absolventin „Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung“ nennen. Die Frauen erwerben mit dem Abschluss auch die Ausbildereignung. Aus diesem Grund ist es auch eine der Zulassungsvoraussetzungen, dass die Studierenden bereits über eine abgeschlossene Berufsausbildung außerhalb der Hauswirtschaft verfügen. Nach dem Schulabschluss können die Absolventinnen dann auch noch die Prüfung zur Hauswirtschafterin ablegen. „Manche unserer Schülerinnen machen dann auch noch weiter und werden Hauswirtschaftsmeisterin“, so Steinle. 

Mehr Informationen gibt es auch unter: www.aelfnd.bayern.de/bildung/hauswirtschaft/036331/index.php