7. September 2019, 08:00

Eine Hommage an den Fürsten und die Gärtnerstochter

Am Fuße von Schloss Baldern bei Bopfingen hat Erbprinzessin Anna zu Oettingen Wallerstein zusammen mit ihrem Team einen farbenprächtigen Garten im Stile eines Walled Garden geschaffen. Bild: Diana Hahn
Am Fuße von Schloss Baldern bei Bopfingen hat Erbprinzessin Anna zu Oettingen Wallerstein zusammen mit ihrem Team einen farbenprächtigen Garten im Stile eines Walled Garden geschaffen. Gewidmet hat sie den Garten Fürst Ludwig zu Oettingen-Wallerstein und dessen märchenhafter Liebesgeschichte.

Die bezaubernde Liebesgeschichte rührt auch immer wieder die Besucher des Walled Gardens von Schloss Baldern. Aus Liebe zur Tochter seines französischen Gärtners, Nicolas Bourgin, verzichtete Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein seinerzeit auf seine ererbten Rechte als Linienchef des Fürstenhauses. Seine große Liebe Crescentia, heiratete er 1823 und verließ mit ihr zusammen Schloss Baldern ohne Hab und Gut. Die Nische, in der sich das Liebespaar heimlich traf, befi ndet sich in einer ruhigen Ecke des Walled Gardens von Schloss Baldern. Auf dem Weg dorthin kommt man an einer sogenannten Stumpery, Baumstümpfe und Wurzeln, in denen Farne, wilder Fingerhut und andere Waldpfl anzen gedeihen, vorbei.

Die Stumpery im Walled Garden von Schloss Baldern besteht aus uralten Eichenwurzeln, die in den fürstlichen Wäldern gesammelt wurden. „Das ist einer der Lieblingsorte von Prinzessin Anna. Sie findet, dass hier eine ganz besondere Energie herrscht“, erklärt  Susanne Christner, die sich mit neun weiteren Kollegen um den Garten auf Schloss Baldern kümmert und über sich selbst sagt, dass sie eine Quereinsteigerin mit Leidenschaft für das Gärtnern sei. Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es den Garten. Mit viel Liebe zum Detail und auch großem finanziellen Einsatz wurde am Fuße des Schlosses ein Fleckchen Erde geschaffen, das den Eindruck erweckt, als ob es schon immer an dieser Stelle gewesen wäre. Dem war allerdings nicht so. Jede Menge Ideenreichtum und auch Arbeit investierten die sehr naturverbundene Erbprinzessin Anna zu Oettingen- Wallerstein und ihr Team in die in Deutschland einmalige Gartenanlage. Die Besucher betreten den Garten, der in unterschiedliche Gartenräume aufgeteilt ist, über eine spanische Treppe, die von japanischen Zierkirschen und weißen Hortensien eingesäumt ist.

Verweilt man einen Moment auf den obersten Stufen, eröffnet sich dem Besucher ein wunderbarer Blick auf den Ipf. „Bevor Prinzessin Anna damit begonnen hat, den Garten anzulegen, gab es hier nur Wildnis und auch der Blick auf den Ipf war nicht frei. Es gab hier eigentlich vorher gar keinen Garten, da Baldern ja ursprünglich ein Jagdschloss und deshalb nicht konstant bewohnt war. Prinzessin  Anna ist sehr oft vor Ort und hilft mit wo sie kann. Sie steckt ihr ganzes Herzblut in den Garten. Es ist bewundernswert, wie sie das alles geschafft hat“, erklärt Susanne Christner.

 

Bild: Diana Hahn

Natur pur 

Trotz der Pflanzenvielfalt und der Tatsache, dass auch der Walled Garden nicht vor Schädlingen verschont bleibt, werden keine Spritzmittel eingesetzt. „Wir setzen nur Ackerschachtelhalmextrakt und Brennnesseln ein und akzeptieren dann eben auch, dass manche unserer Rosen Rost haben. Wir versuchen Nützlinge und Schädlinge im Gleichgewicht zu halten. Deshalb berühren wir nicht den umgebenden Wald“, erklärt Christner. Der Weg führt entlang der Schlehenhecke, die die Grenze zwischen dem angelegten Garten und dem naturbelassenen fürstlichen Wald bildet, zum Herzstück des Gartens, der über 20 Meter langen Double Border, einem Staudenbeet, das von Eiben eingesäumt ist, die in Bienenkorbform geschnitten wurden. Hat man das lange Blumenbeet mit seiner Artenvielfalt und Farbpracht durchschritten, erreicht man einen weiteren Gartenraum im Walled Garden. Der versunkene weiße Garten ist ein tiefer gelegter Bereich, der in Form eines Achtecks angelegt wurde. Wie der Name schon verrät, finden sich hier nur Pflanzen, die weiß blühen.

Durch das Anlegen des Englischen Gartens wurden unzählige Insekten und auch Amphibien nach Baldern zurückgeholt. Über eine Holztreppe im hinteren Bereich des Gartens erreicht man die Hühnerställe an der Schlossmauer. Viele exotische Züchtungen, die allerliebst anzusehen sind, tummeln sich dort. So auch Fitzgerald, ein Strupphuhn, Seidenhühner mit Bart, die wie Mini-Lamas aussehen, oder Geraldine, ein Holländisches Weißkopf Haubenhuhn und ihrerseits Schuhliebhaberin. „Jeden Morgen, wenn man die Hühner sieht, bekommt man automatisch gute Laune“, lacht Susanne Christner. Im Garten von Schloss Baldern gibt es einiges zu entdecken und Gartenliebhaber kommen voll auf ihre Kosten. Wer möchte kann nach seinem Besuch im Garten an einer Schlossführung teilnehmen oder die gesammelten Eindrücke im Schlosscafé auf sich wirken lassen.