31. März 2018, 08:00

Verborgene Römerwelt unter der Erde - Losodica: Munningen zur Römerzeit

Magnetogramm des Kastellareals von Munningen . Bild: Prof. Dr. Jörg Fassbinger, LfD
Wenn man mit dem Auto auf der Staatsstraße 2221 zwischen Munningen und Oettingen unterwegs ist, fährt man theoretisch mitten durch das ehemalige Römerkastell Losodica hindurch. Die alte Römerstraße sowie die Gebäude, die einst an der Hauptachse des Kastells standen, befinden sich unterhalb des heutigen Straßenbelags. Wenige Teile wurden bisher aufgedeckt, erforscht, dokumentiert und wieder zugedeckt. Seit vielen Jahren schon hat sich Werner Paa aus Oettingen mit der Heimatgeschichte und der Archäologie rund um die Gemarkung Oettingen beschäftigt und anhand seiner Forschungen nun ein sehr lesenswertes Buch über die faszinierende unter der Erde verborgene Römerwelt geschrieben. Oberirdisch ist heute leider nichts mehr von Losodica zu sehen, lediglich eine Infotafel am Radweg weist darauf hin.
Erstmalig wurde das Gebiet vermutlich 1893, ganz sicher aber im Jahr 1894 durch Forscher der Reichslimeskommission, die sich die Erforschung des obergermanisch-raetischen Limes und aller römischen Kastelle zum Ziel gesetzt hatte, untersucht. Bei Versuchsgrabungen nördlich von Munningen stießen die Forscher unter der Leitung von Karl v. Popp in der Flur auf Mauerreste und römische Funde. Das vermutete Kastell konnte bei dieser ersten Grabung allerdings noch nicht nachgewiesen werden. 1906 konnte Heinrich Eidam bei Grabungen Überreste des Kastells belegen und im Jahr 1930 untersuchte der Nördlinger Prähistoriker Ernst Frickhinger den nördlichen Kastellbereich. Danach ruhte die Erforschung Losodicas bis 1971, als Dietwulf Baatz weitere Untersuchungen durchführte. In den Jahren 1977 bis 1979 und 1986 führte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege weitere Untersuchungen durch. Letztmalig wurde beim Bau einer Ortsumgehung das gesamte Gebiet mittels Magnetometer sondiert, anschließend wurde ein Areal von 60000 Quadratmetern durch Grabungen genauer untersucht.
Innenbebauung und Wehranlagen
Das ehemalige Kastell befand sich unmittelbar am nördlichen Ortsrand des heutigen Dorfes Munningen. Die Lage des Platzes war von den Erbauern vorzüglich ausgewählt worden. Die kleine Anhöhe am westlichen
Wörnitzufer ist im Süden durch den Grimmgraben, im Norden durch den Mühlbach und im Osten durch die Wörnitz bestens geschützt. Lediglich im Westen war ein leichter Zugang zum Kastell möglich. Von dem Platz aus war ein freier Blick über den zur damaligen Zeit wohl schon ziemlich waldfreien Rieskessel möglich. Im Norden ist, wie von den meisten anderen Kastellen der Umgebung der Hesselberg zu sehen. Möglicherweise befand sich dort eine Signalstation, von der aus die einzelnen Lager über heranziehende Gefahren rasch durch Lichtzeichen informiert werden konnten. Auch in strategischer und verkehrsgeografischer Hinsicht war der Platz gut gewählt. Am nördlichen Eingang des Ries gelegen, konnte von hier aus der ganze Verkehr leicht kontrolliert werden. Auch war Losodica vermutlich ein Verkehrsknotenpunkt, von dem aus sternförmig Straßen zum Beispiel zur Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum (Augsburg) oder zu benachbarten Kastellen wie in Ruffenhofen und Gnotzheim führten. Von dem ehemaligen Holzkastell haben sich Überreste nur noch als Bodenverfärbungen erhalten. Das Munninger Lager ist noch niemals großflächig und vollständig untersucht worden. Lediglich die Innenbebauung der westlichen Kastellseite ist einigermaßen sicher erforscht. Die Bebauung der ehemaligen Ostseite ist fast gänzlich unbekannt. Deshalb lassen sich heute noch keine exakten Angaben bezüglich des einstigen Aussehens machen. Das Kastell war, wie alle römischen Truppenlager, im damals üblichen Rechteckschema erbaut. Mit den Ausmaßen von 150 x 179 Meter besaß es die durchschnittliche Größe römischer Kohortenkastelle. Jedes römische Militärlager war in zwei Hälften gegliedert, in einen rückwärtigen Teil (retentura) und einen
vorderen Teil (praetentura). Wie jedes Lager dieser Größe hatte auch das Munninger vier Toranlagen. Allerdings ist bisher keines aufgedeckt und untersucht worden. Das im Süden gelegene Haupttor (porta praetoria) und das gegenüberliegende, rückwärtige Tor (porta decumana) liegen unter der heutigen Staatsstraße, die ungefähr den Verlauf der einstigen Lagerstraße darstellt. Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Frontseite des Lagers nach Süden ausgerichtet war. Im rückwärtigen Lagerbereich konnten auf der Westseite insgesamt vier etwa 60 Meter lange und fast acht Meter breite Mannschaftsbaracken sowie ein Schuppen
sicher nachgewiesen werden. Jede Baracke diente für eine Centurie (80 Mann) als Unterkunft. Genau in der Mitte eines Lagers befand sich das Stabsgebäude. In Munningen wurde in diesem Bereich noch nicht geforscht, da es direkt unter der heutigen Straße liegt und somit für eine Untersuchung nicht zugänglich ist. Lediglich einige der gewaltigen Pfosten auf der Westseite des Gebäudes wurden bisher aufgedeckt.
Das ehemalige Lagerdorf mit römischem Bad
Zu jedem römischen Militärlager gehörte auch ein kleines Lagerdorf, in Munningen ist vom einstigen Lagerdorf nur sehr wenig bekannt. Dort fand Handel statt und auch für das kulturelle und gesellschaftliche Leben war mit Gasthäusern und Bädern gesorgt. Auch in Munningen ist ein Badegebäude südlich des Kastells sicher nachgewiesen. Heute ist davon oberirdisch nichts mehr zu sehen. Nach Abschluss der Ausgrabungen wurden die Mauerreste wieder zugedeckt. Eine seinerzeit geplante Konservierung wurde nicht realisiert.
Losodica nach der Römerzeit
Das Munninger Lager, das unter der Regierungszeit Domitians zwischen 90 und 95 n. Chr. erbaut wurde, war nach den Grabungsergebnissen von 1971 nur kurze Zeit von einer Kohorte besetzt. Der Zeitraum dürfte höchstens 20 Jahre betragen haben. Die sehr günstige verkehrsgeografische Lage war wohl der Grund, dass nach dem Abzug der Kohorte die Siedlung nicht aufgegeben, sondern unter einer Zivilbesiedelung ausgebaut wurde als militärische Nachschubbasis, Handels- und Gewerbezentrum. Darauf weisen zahlreiche gesicherte Funde von Gebäuderesten sowie Handelswaren hin. Die Gesamtdauer der römischen Periode in Munningen hat wohl rund 170 Jahre betragen. Die heutige Ortschaft Munningen geht allerdings sehr wahrscheinlich nicht auf die römische Besiedelung zurück. Die Gründer des heutigen Munningen sind mit großer Wahrscheinlichkeit die nach der römischen Zeit im Bereich der Pfarrkirche St. Peter und Paul siedelnden Alamannen gewesen.