30. Oktober 2019, 13:42

Kommt die Brezel oder nicht?

Dr. Martin Vieregg (vorne links) stellte mögliche Alternativen zu den aktuellen Planungen des Streckenausbaus vor. Bild: Maximilian Bosch
Niemand will die komplizierte Brezel-Auffahrt für die B25 südlich von Nördlingen – außer dem Bauamt in Augsburg. Am Dienstag aber konnte man sehen, dass es auch Alternativen gibt.

Der „2+1“-Ausbau der B 25 zwischen Nördlingen und Möttingen ist bekanntlich nicht unproblematisch: Laut aktuellen Planungen sollen an der Anschlussstelle Nördlingen Süd sechs Hektar Grund des Landwirts Georg Schabert mit einer komplizierten Auffahrt zugebaut werden. Das ist die sogenannte „Brezel“, mit welcher der nach Reimlingen führende Heuweg an die Bundesstraße angeschlossen werden soll. Gegen den Bauabschnitt 1 des Ausbaus, der dieses Ungetüm der Straßenführung beinhaltet, klagt Schabert derzeit, denn er sieht durch den Grundverlust seine Existenz bedroht. Gleichzeitig hat er den renommierten Verkehrsplaner Dr. Martin Vieregg beauftragt, nach Alternativen zu suchen. Diese stellte Vieregg nun im JUFA Hotel Nördlingen vor. Eingeladen dazu hatte Wolfgang Goschenhofer, OB-Kandidat der Grünen für Nördlingen. Goschenhofer hält den 15 Millionen Euro teuren Ausbau in Gänze für „einfach Irrsinn“, strebt aber nun eine für alle verträgliche Lösung an.

Vieregg präsentierte zwei Alternativen: Zum einen zeigte er eine Option, welche die Reimlinger Anschlüsse Heuweg und Mittelweg komplett aufgibt und durch einen Ausbau des landwirtschaftlich genutzten Tunnels am Steppachgraben ersetzt. Dort könnte dann eine neue Auffahrt entstehen, der landwirtschaftliche Weg vom Tunnel bis Reimlingen würde ausgebaut werden. Zum anderen zeigte der Planer eine schlankere Lösung für den Anschluss Nördlingen Süd, die auch den Heuweg anbinden würde. Allerdings wären dafür zwei Brücken nötig.

Bei der Alternative "Steppachgraben" habe Vieregg vor allem den Ausbau der Strecke als Ganzes betrachtet. Der Graben, der in etwa auf halbem Weg zwischen Heuweg und Mittelweg die Bundesstraße kreuzt, sei die einzige natürliche Senke entlang der Ausbaustrecke und daher ein sinnvoller Ort für einen Anschluss. Der Planer stellte auch klar, dass nicht alle aktuellen Anschlussstellen nach dem Ausbau erhalten bleiben können. Die Strecke werde nämlich neuerdings in der "Entwurfsklasse 1", als Kraftfahrstraße, geplant. Das bedeutet, dass alle Anschlussstellen kreuzungsfrei sein müssen (d.h. mit Brücken angeschlossen werden). Das führt aber zu einem weiteren Problem: Aufgrund der "Wiesenweihe", eines geschützten Greifvogels, der sich circa auf Höhe der Kreuzung der B 25 mit der DON 7 zwischen Balgheim und Grosselfingen aufhält, kann hier gar keine Brücke gebaut werden. Damit habe sich das Bauamt laut Vieregg selbst ins Knie geschossen. Man sieht: Die aktuellen Planungen für den Ausbau sind keineswegs zu Ende gedacht.

Keine der Alternativen von Dr. Vieregg wurde von den Gästen als der große Wurf gesehen, aber darauf kam es Goschenhofer, Schabert und Vieregg auch nicht an: Sie wollten Chancen aufzeigen, die ein Gericht dazu bewegen können, die aktuellen Planungen zu stoppen. Und damit hatten Sie Erfolg: Dem Vernehmen nach wollen Reimlingens Bürgermeister Jürgen Leberle und sein Gemeinderat auf Grundlage der neuen Informationen Einspruch gegen die aktuell ausliegenden Pläne für Bauabschnitt 2 des Ausbaus erheben. Das ist nur noch bis Montag, 4. November, möglich – soll die Brezel verhindert werden, drängt also die Zeit.