5. Februar 2020, 14:47

Die Kalvarienbergkapelle Wörnitzstein

Die Kalvarienberkapelle Wörnitzstein Bild: Diana Hahn
Erhaben thront sie über Wörnitzstein: Die Kalvarienbergkapelle. Bereits von weitem ist die anmutige Kapelle auf der äußeren Felsnase des fränkischen Jura über dem linken Wörnitz-Ufer zu sehen. Im Sommer eingerahmt von den Blättern der umliegenden Bäume, im Winter findet man das Zwiebeldach des Turmes oft bedeckt von Reif oder Schnee vor.


Auf welche Begebenheit der Bau der Kalvarienbergkapelle zurückgeht wird in der „Geschichte der Kalvarienberg-Kapelle“, die von Johann Baur verfasst wurde, beschrieben: „Im Jahr 1669 unternahm der Kaisheimer Abt Benedikt Hein über Wörnitzstein nach Buggenhofen eine Wallfahrt zum Gnadenbild der Muttergottes. Starke Regengüsse erschwerten den Rückweg, auf dem der Abt auch den Reichertsweiler Hof visitierte. Als der hohe Herr schließlich gegen Abend, vom westlich des Dorfes Wörnitzstein gelegenen Strohberg, auch in das Wörnitztal herniederschaute, war der Wörnitz-Fluß weit über seine Ufer getreten und das ganze Tal überschwemmt. Der Wörnitzsteiner Pfarrer riet dem Abt, im Pfarrhaus zu übernachten, doch der hohe Gast ließ sich wegen dringender Geschäfte nicht zurückhalten und wagte die gefährliche Durchquerung der reißenden Flute. Zum Dank für den glücklichen Ausgang des Wagnisses versprach er auf dem hohen Berge eine Kapelle zu erbauen.“

Um die Kapelle auf dem „hohen Berge“ zu erreichen durchschreitet man zunächst ein barockes Aufgangsportal und muss dann einen kleinen Aufstieg mit 99 Treppen in Kauf nehmen. Gestiftet wurde das Portal „von der ledigen Schwester Therese des einstmaligen Bauern Joseph Kapfer vom Reichertsweilerhof“, heißt es in der „Geschichte der Kalvarienberg-Kapelle“. Hinter dem Portal liegt der Kreuzweg, der 1977 entlang der Straße, die hinauf zur Kapelle führt, errichtet wurde. Den ersten Kreuzweg gab es dort aber bereits im Jahr 1754. Für jede Wörnitzsteiner Familie, berichtet Johann Baur in seiner Zusammenfassung, sei es am Karfreitag bis zum Jahr 1933 traditionelle Verpflichtung gewesen, an den 14 Stationen des Kreuzweges zu beten. Die Kosten des neuen Kreuzweges beliefen sich 1977 auf 30000 D-Mark. Elf Stationen wurden vom Bildhauer Stampfer aus Berg gefertigt. Die drei anderen sind das Werk des Steinmetz Adolf Reiner aus Buchdorf.

Angekommen beim Kirchlein auf dem Felskegel, steht man allerdings nicht vor der einfachen Kapelle, die 1670 erbaut wurde. Achtet man auf den Monogram-Stein auf der linken Seite, erfährt man, wer der Bauherr der Kirche ist und wann diese errichtet wurde. „C.A.Z.K.“ und die Zahl 1750 wurde dort in Stein gemeißelt und erklärt jedem der hinaufgeht, das Cölestin Abt zu Kaisheim den Neubau der Kapelle mit ovalem Grundriss veranlasste und diese 1750 fertiggestellt wurde. Abt Cölestin Meermoos war von 1739 bis 1771 der Abt des Zisterzienserkloster in Kaisheim. Den Auftrag die Kapelle zu bauen, erhielt damals „Johann Georg Hitzelperger, einer der bekanntesten Rokoko-Baumeister Bayerisch-Schwabens“, schreibt Johann Baur in der Geschichte der Kalvarienberg-Kapelle. Im 1991 erschienenen Landkreisbuch wird die Kapelle sogar als „besterhaltene und schönste Barockkapelle des Alt-Landkreises Donauwörth“ beschrieben.

Betritt man die Kapelle durch die doppelflügelige Holztür, fällt der Blick direkt auf den Altar mit Kreuzigungsgruppe, der aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt. Ebenfalls in der Kapelle sind Statuen der Heiligen Walburga (1. Mai) und der Heiligen Ottilie (13. Dezember) zu finden. Beim Blick nach oben fällt das imposante Deckengemälde auf, das die Gründung der Kirche auf dem Felsen zeigt, dem die Hölle nichts anhaben kann. Das Fresko zeigt die Schlüsselübergabe durch Christus an Petrus. Darunter sitzt eine Frau, die mit ihrer Krone die Katholische Kirche versinnbildlicht und schützend die Kapelle im Arm hält. Der in die Tiefe stürzende Mensch symbolisiert einen Ungläubigen. Angefertigt wurde das Werk vom Maler Gottfried Bernhard Götz, der auch das Rokoko-Deckengemälde im Festsaal von Schloss Leitheim angefertigt hat. Aber auch außerhalb der Kapelle gibt es einiges zu sehen. So eröffnet sich vom Felskegel aus ein wunderbarer Blick über das Wörnitztal.

Marien-Grotte am Kalvarienberg

Am Südhang des Kalvarienbergs ließen der Donauwörther Kaufmann Josef Britzelmeir und seine Frau Antonia eine Marien-Grotte aus Tropfsteinen bauen. Hintergrund war folgender: Der Sohn des Ehepaares verletzte sich im Alter von 14 Jahren bei einem Sturz vom Reck so schwer, dass seine Eltern um sein Leben bangen mussten. Während der Zeit der Ungewissheit betete Antonia Britzelmeir oft in ihrem Heimatort Wörnitzstein in der Kalvarienbergkapelle zur Muttergottes für die Genesung ihres Sohnes. Weil der Sohn zwar gehbehindert blieb, aber ansonsten wieder gesund wurde, löste das Ehepaar sein Versprechen ein und ließ die Grotte erbauen. Ein Dankgebet auf einer Marmortafel erinnert an das Geschehene.

Ein wunderbares Fresko ziert die Decke der Kalvarienbergkapelle. Bild: Diana Hahn