6. Dezember 2020, 09:00

Seit über 90 Jahren fest verwurzelt

Bild: Christbaumkulturen Karl Stoll
Die Tradition des Christbaums geht schon viele Jahrhunderte zurück. Während die immergrünen Pflanzen in manchen Kulturen als Symbol für Fruchtbarkeit und Lebenskraft angesehen wurden, glaubten andere daran, dass Tannenzweige im Winter böse Geister abhalten. Auch auf der Ostalb haben Christbäume Tradition. Vor allem im Unternehmen der Familie Karl Stoll ist diese fest verwurzelt – seit 1928 widmet sich das Familienunternehmen in Neresheim-Weilermerkingen der Aufzucht und dem Vertrieb von Weihnachtsbäumen.

Auf rund 200 Hektar Fläche bauen Chef Karl Stoll und seine Söhne Karl und Hannes in der mittlerweile 5. Generation überwiegend edle Nordmanntannen, traditionelle Fichten, aber auch Blaufichten und Kiefern an. „Unsere Familie führte ursprünglich einen landwirtschaftlichen Betrieb. Dann kam immer mehr das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen dazu. Die ersten Bäume waren Rotfichten. Nordmanntannen, die heute zu 90 Prozent gekauft werden, kamen erst weitaus später dazu. Die hätte man früher auf Grund der zu niedrigen Temperaturen bei uns gar nicht anbauen können“, erzählt Karl Stoll Junior. 

Im Jahr 1999 spezialisierte sich das Familienunternehmen ganz auf den Verkauf von Christbäumen.

Auf rund 200 Hektar bauen die Stolls Christbäume an. Bild: Christbaumkulturen Karl Stoll

Dabei ist es aber nicht damit getan die Setzlinge zu pflanzen und nach ein paar Jahren die Bäume zu ernten. Damit die Bäume gleichmäßig wachsen, müssen diese das ganze Jahr über gepflegt werden: „Gepflanzt wird bei uns im Frühjahr oder Herbst, die Setzlinge sind da zwischen 12 und 25 Zentimeter groß. Wenn die kleinen Bäume dann zwischen drei und vier Jahre alt sind, kommt der erste Korrekturschnitt, damit der Baum später nur eine Spitze hat, die gerade nach oben wächst“, so Karl Stoll Junior. Dazwischen müssen die Kulturen ausgegrast, gedüngt und falls nötig in Form geschnitten werden. Sind die Bäume sechs bis sieben Jahre alt, kann zum ersten Mal geerntet werden. „Die Bäume sind dann zwischen einen Meter und einen Meter fünfzig hoch. Also genau richtig, falls jemand einen kleineren Baum möchte“, so Hannes Stoll. Soll der Baum Zimmerhöhe haben, steht er zehn bis zwölf Jahre in der Christbaumkultur, ehe er geerntet werden kann.

Bevor Mitte November die Ernte für das kommende Weihnachtsfest beginnt, werden Anfang Oktober die Weihnachtsbäume, die in Töpfe gepflanzt werden, verkauft. Mitte Oktober wird das Schnittgrün geerntet. „Zum ersten Advent hin versorgen wir dann auch den Großhandel mit Bäumen“, so Karl Stoll Junior.

Die heiße Phase startet Mitte Dezember

„Bei uns kann man seinen Wunschbaum entweder auf dem Hof aussuchen, selbst in der Kultur ernten oder bequem über unseren Onlineshop bestellen und zum Wunschtermin liefern lassen“, erklärt Hannes Stoll. Wichtig ist den beiden auch, dass in ihrem Unternehmen nachhaltig produziert wird: „Vor drei Jahren wurde unser Betrieb mit Global GAP zertifiziert – ein Zertifikat für umweltschonendes und nachhaltiges Produzieren“, so erklärt Karl Stoll Junior.

Von der Konkurrenz durch künstliche Bäume ist im Familienbetrieb nichts zu spüren.

„Wir haben nicht die Erfahrung gemacht, dass die Anzahl der verkauften Bäume auf Grund der Nachfrage an Plastikbäumen zurückgeht. Wir glauben, dass ein echter Baum einfach dazugehört und auch das familiäre Gefühl widerspiegelt. Der Trend geht sogar eher dahin, dass Familien zu uns kommen, um ihren Baum selbst zu schlagen. Das ist dann wie ein kleines Abenteuer“, erklärt Hannes Stoll. „Bei uns geht das auch noch am Tag vor Weihnachten“, fügt sein Bruder Karl hinzu. Jährlich verlässt eine sechsstellige Anzahl an Tannenbäumen die Kulturen der Familie Karl Stoll. Vielleicht stand ein Christbaum aus der Kultur des Familienunternehmens auch schon bei euch im Wohnzimmer.