19. Dezember 2020, 09:00

Spaziergang durch Donauwörth

Oberbürgermeister Jürgen Sorré auf der Rathaustreppe. Im Hintergrund die Donauwörther Reichsstraße. Bild: Maximilian Bosch
Ein Rieser entdeckt Donauwörth – so könnte das Motto für diese Ausgabe unseres Spaziergangs lauten. Unser Redakteur Maximilian Bosch hat dafür seine Kenntnisse über die Große Kreisstadt im Süden des Landkreises aufgefrischt und sich in aller Ruhe in der Stadt umgesehen. Für die Planung seiner Route traf er sich zuvor mit Donauwörths neuem Oberbürgermeister Jürgen Sorré.

Der OB empfängt mich zum Start meiner Tour in seinem Amtszimmer im Rathaus. Wie mir der gebürtige Donauwörther Sorré erklärt, war dieses für ihn immer schon ein prägender Teil der Stadt. Es war immer klar: Hier wird Stadtpolitik gemacht. Das im Kern um das Jahr 1236 erbaute historische Gebäude mit Mansardwalmdach und doppelläufiger Freitreppe wurde einst unter anderem mit Steinen der Burg Mangoldstein vergrößert. Damit markiert es für Donauwörth den Übergang von einer aristokratischen zu einer demokratischen Regierungsform. Für Touristen ist besonders das Glockenspiel am Westgiebel des Rathauses interessant, das anlässlich der 750-Jahr-Feier des Rathauses im Jahr 1986 dort angebracht wurde. Es spielt zweimal täglich, um 11 und um 16 Uhr, mit dem Schicksal Donauwörths verknüpfte Volkslieder, aber auch ein Lied aus der Oper „Zaubergeige“ des Donauwörther Komponisten Werner Egk.

Von seinem Amtszimmer aus genießt Jürgen Sorré einen herrlichen Blick auf die Reichsstraße. „Das ist die ‚gute Stube‘ Donauwörths und einer der schönsten Straßenzüge Süddeutschlands“, erklärt mir der Oberbürgermeister. Stattliche Bürgerhäuser säumen die Straße, die ihren Namen einst bekam, weil sie Teil der Straße des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war, die von Nürnberg nach Augsburg führte. Im zweiten Weltkrieg wurde der Straßenzug stark zerstört. Das heutige Aussehen der Reichsstraße ist ein Beleg für den gelungenen Wiederaufbau der Stadt nach dem Krieg.

Im Anschluss gibt mir Jürgen Sorré eine attraktive Route mit markanten Sehenswürdigkeiten mit auf den Weg und ich mache mich auf, Donauwörth näher kennenzulernen.

Dabei führt mein Weg als erstes durchs Ochsentörl, einem Teil der einstigen Donauwörther Stadtmauer, zur Promenade. Die Parkanlage ist laut Sorré ein „Ruhepol mitten in der Stadt, an den man sich auch einmal in der Mittagspause zurückziehen und entspannen kann. “Ich merke sofort, was er meint: In der herrlichen Grünanlage spürt man sofort den Unterschied zur geschäftigen Reichsstraße. Meinen Weg durch die circa 15600 Quadratmeter große Anlage, vorbei am Brunnen, dem Spielplatz und zum Mangoldfelsen, genieße ich sehr.

Von der Promenade aus nur einen Katzensprung entfernt sind mehrere Sehenswürdigkeiten. Die Freilichtbühne am Mangoldfelsen ist für die hohe Qualität ihrer sommerlichen Theateraufführungen bekannt, während im Käthe-Kruse-Puppenmuseum im ehemaligen Kapuzinerkloster zahlreiche Puppen und Schaufensterpuppen, Postkarten, Bücher, Archivalien, Gemälde und Fotos der berühmten Künstlerin Käthe Kruse bewundert werden können.

Errichtet wurde die Promenade im 19. Jahrhundert entlang des Verlaufs der ehemaligen Ludwig-Süd-Nord-Bahn. Daher verwundert es nicht, dass mich mein Weg durch einen ehemaligen Eisenbahntunnel weiterführt. Dieser wurde zum Fußgängertunnel umfunktioniert und stellt selbst eine Sehenswürdigkeit dar. Heute führt er mich aber hauptsächlich weiter zu meinem nächsten Ziel.

Die Promenade dient der Erholung. Bild: Maximilian Bosch

Entlang der kleinen Wörnitz gehe ich in Richtung des Klosters Heilig Kreuz, „ein Wahrzeichen von Donauwörth“, wie mir der Oberbürgermeister mit auf den Weg gab. Die wunderschöne Klosteranlage überragt die Stadt und lässt sich von der „Onkel-Ludwig-Anlage“, der großen Grünfläche im Süden des Klosters, bestens betrachten. Zum Wallfahrtsort wurde Heilig Kreuz wegen des in der Gruftkapelle aufbewahrten Teils vom Kreuz Christi.

Von Heilig Kreuz aus mache ich einen Abstecher zurück in die Reichsstraße. Vorbei am Fuggerhaus, das der mächtige Geschäftsmann Anton Fugger 1539 errichten ließ und in dem heute das Landratsamt Donau-Ries untergebracht ist, komme ich zum Liebfrauenmünster, auch bekannt als Münster zu Unserer Lieben Frau. Wie mir Jürgen Sorré erzählte kann man bei einer Turmbesteigung einen herrlichen Ausblick über die Stadt genießen. Er selbst sei kurz nach seinem Amtsantritt am 1. Mai wieder oben gewesen. „Man bekommt einen ganz anderen Blick, entdeckt Hinterhöfe, die man gar nicht kennt, und sieht den ganzen Reiz von Donauwörth“, erklärte mir der OB. Turmführungen sind im Zeitraum Mai bis September möglich. Durch das Färbertor, ein schönes Überbleibsel der Donauwörther Stadtmauer mit Fachwerk-Obergeschoss, begebe ich mich wieder an die Wörnitz und genieße die dortige Ruhe. 

Als nächstes gehe ich durch das Rieder Tor, das als letztes von vier großen Ausfalltoren der Stadtmauer bis heute erhalten geblieben ist. Seit 1986 befindet sich darin das Haus der Stadtgeschichte, in dem man Donauwörths Werdegang mit allen Höhen und Tiefen kennenlernen kann.

Damit bin ich auch schon bei meinem Ausgangspunkt angekommen und unternehme abschließend noch einen Abstecher zum Alten Donauhafen. Der einstmals größte Hafen von Schwaben war früher der Endpunkt der Donau-Dampfschifffahrt. Nach dem Ende dieser Tradition verfiel die Anlage jedoch. Dank einer umfangreichen Sanierung und Hochwassersicherung konnte der Alte Donauhafen am 13. Mai 2017 als Ufer-Promenade wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Gelände lädt ein zum Spazieren, Flanieren, Picknicken und „Auszeitnehmen“.

Auf der Altstadtinsel Ried kann man Restaurants und Cafés besuchen. Bild: Maximilian Bosch

Mein nächstes Ziel ist die Altstadtinsel Ried. Hier in der verkehrsberuhigten Zone genießen die Donauwörther gerne laue Sommerabende. „Im Sommer kann hier ein regelrecht italienisches Flair aufkommen“, berichtete mir Jürgen Sorré. Auf der Altstadtinsel befindet sich für Geschichtsinteressierte außerdem das Heimatmuseum, in dem man in vergangene Jahrhunderte eintauchen kann

Rieder Tor Bild: Maximilian Bosch

Für meinen Spaziergang durch die Stadt ist an dieser Stelle Schluss. Wer aber in Donauwörth Zeit verbringen möchte, kann noch einiges mehr entdecken. Zum Beispiel empfahl mir der Oberbürgermeister den Donauwörther Stadtwald, in dem man spazieren oder joggen kann, um Abstand und Ruhe vom Alltag zu gewinnen. Er selbst sei hier gerne unterwegs, ebenso wie im Freibad auf dem Schellenberg. Der in der Parkstadt aufgewachsene Sorré verbindet viele Kindheitserinnerungen mit der Anlage, die derzeit für viele Millionen Euro kernsaniert wird und den Besuchern in Zukunft ein noch schöneres Badeerlebnis bieten soll. Wer es hingegen eher natürlich mag sollte dem Naherholungsgebiet Riedlingen mit seinen Baggerseen einen Besuch abstatten. „Hier kann man den Urlaub zuhause verbringen“, empfiehlt der OB. Gerade in diesem Jahr mit seinen vielen Einschränkungen war das Areal ein willkommener Rückzugsort für die Donauwörther.

Man könnte die Liste noch lange weiterführen, zum Beispiel mit den vielen Radwegen in und um Donauwörth, den Sportmöglichkeiten in der Kletterhalle und der Skateranlage oder auch den einzelnen Stadtteilen, von denen laut Sorré jeder seinen Reiz habe und für sich einen Besuch wert sei. Aber das sparen wir uns noch auf für die Zukunft.

Mit meinen neuen Eindrücken von Donauwörth bin ich mehr als zufrieden. Ich habe es genossen, mir einmal Zeit zu nehmen und mit offenen Augen durch die Stadt zu wandern, die ich sonst nur flüchtig kennengelernt hatte. Auf dem Weg zurück zum Auto klingen die Worte des Oberbürgermeisters noch in meinem Kopf nach:

„Man merkt es selbst gar nicht mehr, aber immer, wenn Menschen von außerhalb kommen, wird man daran erinnert, dass man es hier richtig schön hat.“

Recht hat er, denke ich mir.