Hochwasserschutz

Deichwanderung zwei Jahre nach der Flut: Erinnerung und Blick in die Zukunft

Deichwanderung bei Zusum. Bild: Timo Bablock
Über 70 Teilnehmer folgten an Fronleichnam der Einladung der Deichwächter Zusam-Donau e. V. Ein neu entdeckter Hinweis in Unterlagen des Wasserwirtschaftsamts sorgte dabei für besondere Aufmerksamkeit.

Zwei Jahre nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe vom Juni 2024 haben die Deichwächter Zusam-Donau e. V. mit ihrer zweiten Deichwanderung an die Ereignisse erinnert und gleichzeitig den Blick auf die Zukunft des Hochwasserschutzes gerichtet. Über 70 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung.

Startpunkt der Wanderung war das Feuerwehrhaus in Zusum, dessen Wiederherstellung nach den Hochwasserschäden weiterhin aussteht. Von dort aus führte die Route entlang der Ringdeiche, wo die Deichwächter über den Verlauf des Hochwassers 2024, den Zustand der Schutzanlagen und aktuelle Entwicklungen im Donauried informierten. Begleitet von Vertretern regionaler Medien nutzten viele Teilnehmer die Gelegenheit zum Austausch und zur Diskussion vor Ort.

Im Mittelpunkt der Wanderung standen die Ringdeiche rund um Zusum und Rettingen. Nach Auffassung des Vereins sind sie nicht nur ein wesentlicher Bestandteil des historischen Hochwasserschutzes, sondern spielen auch heute eine zentrale Rolle für den Schutz der Menschen und Ortschaften in der Region. 

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte dabei ein Fund aus den Tagen vor der Veranstaltung. Bei der Auswertung historischer und aktueller Unterlagen des Wasserwirtschaftsamts stießen Mitglieder des Vereins auf eine Darstellung, in der das Ringdeichsystem von Zusum als „Volldeich“ bezeichnet wird. Für die Deichwächter könnte dieser Fund eine der wichtigsten Erkenntnisse seit dem Hochwasser 2024 sein. Bereits im Jahr 1898 wurden im Rahmen eines Nivellements die Höhen der Deichanlagen und des umliegenden Geländes dokumentiert. Aus Sicht des Vereins deutet die Einstufung als Volldeich darauf hin, dass bereits damals ein klar definierter Schutzauftrag für die dahinterliegenden Ortschaften bestand. Nach wasserbaulicher Definition ist ein Volldeich (Winterdeich) ein Flussdeich, der dem Schutz gegen höchstes Hochwasser dient.

Bild: Timo Bablok

„Dieser Fund ist für uns ein echter Hoffnungsschimmer“, erklärte die Vereinsvorsitzende Zita Frey während der Wanderung. „Seit dem Hochwasser suchen wir nach belastbaren historischen Unterlagen, die Aufschluss über den ursprünglichen Zweck und das Schutzziel unserer Deiche geben. Die Bezeichnung als Volldeich zeigt, dass diese Anlagen nicht errichtet wurden, um regelmäßig überströmt zu werden, sondern dass sie einem konkreten Schutzauftrag für die Menschen und Siedlungen hinter dem Deich dienten.“

Nach Ansicht der Deichwächter sollte dieser Fund nun gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt fachlich aufgearbeitet werden.

Positiv bewerteten die Deichwächter auch das große Interesse aus der örtlichen Kommunalpolitik. Mehrere Mandatsträger begleiteten die Wanderung, informierten sich vor Ort und suchten das Gespräch mit Betroffenen. Der Verein wertete dies als wichtiges Signal. Gute Kommunalpolitik entstehe dort, wo Verantwortliche die Situation vor Ort kennenlernen, unterschiedliche Perspektiven aufnehmen und diese Erfahrungen in ihre tägliche Arbeit einfließen lassen. Der direkte Austausch zwischen Bürgern, Fachleuten und politischen Entscheidungsträgern sei ein wichtiger Baustein für tragfähige Entscheidungen. Für die Deichwächter ist die Deichwanderung deshalb weit mehr als eine Gedenkveranstaltung. Die neu entdeckten Hinweise zum historischen Ringdeichsystem sollen dazu beitragen, offene Fragen zu beantworten und den Hochwasserschutz für kommende Generationen weiterzuentwickeln. Denn die Ereignisse von 2024 haben gezeigt, welche Folgen es haben kann, wenn Schutzsysteme an ihre Grenzen geraten. (dra)