Hochwasser

„Der Riedstrom ist ein natürlicher Prozess“

Bild: Matthias Stark
Im Zuge des Hochwassers wird auch über den Riedstrom diskutiert. Das Wasserwirtschaftsamt hat dazu jedoch eine klare Meinung – und weist einen Vorwurf entschieden zurück.

Die Hochwassersituation rund um Donauwörth entspannt sich. Bis zuletzt kämpfen viele Gemeinden gegen die Wassermassen an. Unter anderem gelten Hamlar und Zusum am Donnerstagvormittag immer noch als Hotspots. Grund dafür ist auch der Riedstrom, der im Laufe der Katastrophe einmal mehr Gegenstand der Diskussion wurde.

In einer Gesprächsrunde am Mittwoch mit ausgewählten Medien, zu der auch Donau-Ries-Aktuell eingeladen wurde, bezog Gudrun Seidel, Behördenleiterin des Wasserwirtschaftsamts Donauwörth, eindeutig Stellung: „Es gibt die Vermutung einzelner Leute, dass man gezielt mehr Wasser in den Riedstrom ablässt, aber das stimmt nicht. Der Riedstrom ist ein natürlicher Prozess.“ Das Gebiet ist das historische Überschwemmungsgebiet der Donau und hat dort schon immer bestanden.

Die Bedeutung des Riedstroms wurde schon frühzeitig erkannt, wie Seidel weiter ausführte, weswegen beim Bau der Staustufen an der Donau in den 1960er und 1980er Jahren ein besonderes Augenmerk darauf gelegt wurde, diese Überschwemmungsgebiete zu erhalten. Hätte man diese damals zerstört, wären massive Nachteile für die Unterlieger (Grundstücksbesitzer flussabwärts, Anm. d. Red.) die Folge gewesen.

Staustufen und der Riedstrom

Vielmehr arbeiten Staustufen und Riedstrom zusammen, um die Auswirkungen von Hochwasserlagen abzumildern. In einem solchen Fall gehen drei der fünf Staustufen in den Überstau, d.h. der Wasserstand überschreitet ein vorher definiertes Bezugsniveau. In der Regel handelt es sich dabei um die Geländeoberkante. Damit will man das Anspringen des Riedstroms unterstützen.

„Bei größeren Hochwasserereignissen, wie es aktuell stattfindet, spielen die Staustufen aber keine Rolle mehr“, nahm Seidel Bezug auf die momentane Hochwasserkatastrophe und fügte erklärend hinzu: „Die Steuerungsorgane werden gehoben und das Wasser fließt unten durch.“ Ab einer bestimmten Wassermenge gibt es also keine Möglichkeit mehr, die Überflutung zu verhindern. Oder wie Seidel es ausdrückt: „Es gibt keinen Knopf, wo man den Riedstrom abstellen kann.“

„Ein Polder hätte was gebracht“

Ein Abstellen wäre aber auch gar nicht gewünscht. Denn der Riedstrom bewahrt Donauwörth vor deutlich größeren Hochwasserereignissen. Die Wassermenge im Riedstrom tritt erst zeitverzögert in Donauwörth ein, weswegen noch höhere Wasserstände vermieden und die Dämme so entlastet werden.

Was allerdings in der aktuellen Situation geholfen hätte und bei der Aufarbeitung der Katastrophe noch zu Diskussionen führen könnte, wäre ein Polder. „Ein Polder hätte was gebracht“, stellte Seidel klar. Dieser hätte im Riedstrom wie „ein Querriegel“ gewirkt und die Wassermassen zwar nicht aufgehalten, aber zumindest auseinandergezogen. „Damit hätte ein Polder zur Entlastung der Unterlieger führen können.“

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