Sie haben sich erst recht spät dazu entschieden, als Landrat zu kandidieren. Wie kam es zu dem Entschluss und glauben Sie, dass die späte Nominierung ein Vor- oder Nachteil für Sie sein wird bzw. ist?
Wir haben uns bewusst dafür entschieden, zunächst alle anderen organisatorischen Grundlagen innerhalb unseres Kreisverbandes zu klären, bevor wir einen Landratskandidaten aufstellen. Für uns gehört dazu insbesondere eine starke Kreistagsliste. Die anderen Parteien sind teilweise bereits im Spätsommer mit ihren Kandidaten an die Öffentlichkeit gegangen, wir sind diesen Schritt nach reiflicher Überlegung etwas später gegangen. Ich halte diese Entscheidung weiterhin für richtig.
Natürlich bringt eine späte Nominierung sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. Der Nachteil ist sicherlich, dass man weniger Vorlaufzeit hat, um sich öffentlich zu präsentieren. Der Vorteil ist aber, dass man den Wahlkampf der anderen Kandidaten beobachten und daraus Schlüsse ziehen kann. Dadurch kann man vielleicht gezielter auf Bürgerinnen und Bürger zugehen und mit noch stärkeren Argumenten überzeugen. Für mich ist das ein legitimer und durchaus erfolgversprechender Weg.
Blicken wir einige Monate in die Zukunft. Was wäre Ihre erste konkrete Maßnahme, sollten Sie zum Landrat gewählt werden?
Eine einzelne Maßnahme sofort umzusetzen, ist in der Praxis schwierig. Dennoch sehe ich klare Prioritäten. Besonders wichtig ist für mich die Infrastruktur. Der Landkreis Donau-Ries gehört wirtschaftlich weiterhin zu den stärksten Regionen Deutschlands. Gleichzeitig besteht jedoch an vielen Stellen Nachholbedarf, beispielsweise bei Kreisstraßen, Brücken oder beim Ausbau des Mobilfunk- und Glasfasernetzes.
Eine weitere zentrale Aufgabe wäre für mich die Stärkung der Bildung. Eine leistungsfähige Infrastruktur und ein gutes Bildungsangebot sind entscheidend, um unseren Wirtschaftsstandort langfristig zu sichern.
Bürokratieabbau und Digitalisierung sind zentrale Themen der FDP und auch Ihres Wahlkampfs. Wie könnte eine entsprechende Entwicklung mit Ihnen an der Spitze des Landkreises aussehen?
Wir müssen vor allem Genehmigungs- und Planungsverfahren deutlich beschleunigen. Viele Vorgaben kommen zwar aus Bundes- oder Landesgesetzen, aber auf regionaler Ebene bestehen dennoch Spielräume, um Abläufe effizienter zu gestalten. Schnellere Verfahren helfen nicht nur Unternehmen, sondern auch Bürgerinnen und Bürgern.
Ein konkretes Beispiel sind Projekte im Bereich erneuerbarer Energien. Hier scheitern Vorhaben oft an langwierigen Planungsprozessen oder überzogenen Auflagen. Ich möchte solche Projekte erleichtern, ohne dabei Umwelt- oder Sicherheitsstandards zu vernachlässigen. Gleichzeitig müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, damit große Arbeitgeber und Industriebetriebe im Landkreis bleiben und weiter investieren. Das ist entscheidend für Arbeitsplätze und kommunale Einnahmen.
Ein Thema, das aktuell für Diskussion sorgt, ist die Bezirksumlage. Diese droht im Wahljahr auf 28 Prozent zu steigen, die Kreisumlage liegt knapp unter 50 Prozent. Welche Unterstützung dürfen die Gemeinden diesbezüglich von Ihnen erwarten?
Die steigenden Umlagen belasten die Kommunen massiv, weil sie deren Investitionsspielräume stark einschränken. Wenn sich hier nichts ändert, drohen langfristig deutliche Einschnitte bei kommunalen Projekten.
Mein Ansatz wäre, die Ausgaben zumindest zu stabilisieren und weiteres Wachstum möglichst zu vermeiden. Ein vollständiger Sparkurs auf Kosten sozialer Leistungen wäre aus meiner Sicht jedoch falsch. Wichtig ist ein differenzierter Blick auf Ausgabenstrukturen und Ursachen. Gleichzeitig müssen wir stärker darauf achten, dass neue gesetzliche Vorgaben auch entsprechend finanziert werden. Langfristig darf die Finanzierung öffentlicher Aufgaben nicht immer weiter über zusätzliche Schulden erfolgen.
Die hausärztliche und gesundheitliche Versorgung wird auch im Landkreis Donau-Ries immer mehr zur Herausforderung. Was könnten Sie als Landrat tun, um dem Negativtrend entgegenzuwirken?
Der Ärztemangel ist längst Realität, insbesondere in ländlichen Regionen. Deshalb müssen wir die Niederlassung von Ärztinnen, Ärzten und Therapeutinnen sowie Therapeuten gezielt fördern. Kommunen können beispielsweise Praxisräume zur Verfügung stellen oder bei der Organisation unterstützen – etwas, das früher kaum vorstellbar war, heute aber ein wichtiger Standortfaktor ist.
Darüber hinaus ist eine enge Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung notwendig, etwa um Sonderzulassungen zu ermöglichen. Gleichzeitig müssen wir bestehende medizinische Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen stärken. Unsere Kliniken sind ein großes Plus für den Landkreis. Sie müssen langfristig erhalten und weiterentwickelt werden. Auch Angebote wie Geburtshilfe oder ambulante Versorgung spielen eine wichtige Rolle für die Attraktivität der Region.
Was unterscheidet Sie von den anderen Kandidaten um das Amt des Landrats?
Ich bringe einerseits meine berufliche Erfahrung als Arzt ein, andererseits meine kommunalpolitische Arbeit im Kreistag. Zudem stehe ich für eine klare wirtschaftspolitische Ausrichtung. Ein starker Wirtschaftsstandort ist für mich die Grundlage für Wohlstand, Arbeitsplätze und funktionierende kommunale Haushalte.
Darüber hinaus sehe ich meine Rolle auch darin, Themen wie Katastrophenschutz, Rettungsdienste und Ehrenamt stärker in den Fokus zu rücken. Die Hochwasserereignisse haben gezeigt, wie wichtig funktionierende Strukturen und gut ausgestattete Einsatzkräfte sind. Hier möchte ich langfristig Verbesserungen erreichen und die ehrenamtlichen Helfer stärker unterstützen.
Ihr persönlicher Gegenstand:
Mein persönlicher Gegenstand ist das Grundgesetz der Bundesrepublik. Für mich bildet das Grundgesetz den Kern unseres Zusammenlebens. Der Begriff des „Verfassungspatriotismus“, geprägt von Jürgen Habermas, beschreibt sehr gut, wofür ich stehe. Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie sind zentrale Werte, für die ich mich engagiere und die auch ein wesentlicher Grund für meine Kandidatur sind.
Ich bin überzeugt, dass unsere Region – insbesondere das Industriegebiet rund um Donauwörth und Nördlingen – wirtschaftlich und gesellschaftlich am besten in einem stabilen demokratischen System prosperieren kann. Demokratie schafft Entfaltungsmöglichkeiten für die Menschen und sichert langfristig Wohlstand sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Gleichzeitig stehen unsere demokratischen Werte unter Druck – sowohl durch rechtsextreme als auch linksextreme Strömungen. Das Grundgesetz ist für mich deshalb eine Art „Leitcode“, an dem sich politisches Handeln orientieren muss. Mir ist dabei besonders wichtig, dass ich bewusst eine Ausgabe aus dem Jahr 2023 gewählt habe, in der die Schuldenbremse verankert ist, weil ich solide Staatsfinanzen für eine verantwortungsvolle Politik für unverzichtbar halte.