24. September 2019, 08:00

1050 Jahre Gemeindegeschichte: Mertingen feiert Jubiläum

Das Rathaus in Mertingen. Bild: Jenny Wagner
Die Gemeinde Mertingen liegt ganz im Süden des Landkreises Donau-Ries und grenzt mit seinem Ortsgebiet an den Landkreis Augsburg.
Zwischen der Bezirkshauptstadt Augsburg und dem 4000-Seelen-Dorf liegen knapp 37 Kilometer. Um mehr über die Ortschaft zu erfahren, hat sich unsere Redakteurin Jenny Wagner mit Gemeindearchivar Dr. Franz Xaver Ries getroffen.

Ich habe mich mit Dr. Franz Xaver Ries am Mertinger Rathaus verabredet – ein Parkplatz hat sich schnell gefunden. Direkt gegenüber des Rathauses, angrenzend an das Kirchenareal, wurde erst vor kurzem ein neuer Parkplatz samt E-Ladesäule gebaut. Der Gemeindearchivar begrüßt mich freundlich in Mertingen und gemeinsam starten wir unseren Spaziergang durch das Gemeindegebiet. Direkt am Rathaus befindet sich die sogenannte Rathaus-Stele – ein Kunstobjekt, das in Bildern und Symbolen bedeutende Ereignisse, Leistungen und Entwicklungen aus Vergangenheit und Gegenwart von Mertingen und den Ortsteilen Druisheim und Heißesheim zeigt.

„Die Stele ist ein Geschenk des Ehrenbürgers Georg Reiter und seiner Ehefrau Frieda anlässlich seines 80. Geburtstages an die Gemeinde Mertingen gewesen“, erzählt mir Dr. Ries.

Gleich hinter der Stele und dem Rathaus befindet sich die „Alte Schule“. Das ehemalige Schulgebäude aus dem Jahr 1857 wurde 1994 zu einem Museum umgebaut. In einem Original-Klassenzimmer können Besucher erfahren, wie Schüler damals die Schulbank gedrückt haben. Außerdem befindet sich im Museum eine alte Poststelle, eine Schneiderstube, eine Schmiedewerkstatt und eine Ausstellung über lokale Funde aus der alemannischen und römischen Zeit. Derzeit dreht sich in einem weiteren Raum in der alten Schule alles ums „Kinderkriegen“ in früherer Zeit. Außerdem befinden sich in der Ortsmitte Mertingens zwei weitere Museen, die Sölde und der Museumsstadel. Alle drei Dorfmuseen verdankt Mertingen dem großen Engagement der Museumsfreunde.

Gemeinsam mit dem Gemeindearchivar mache ich mich auf den Weg in die Kirche St. Martin. Diese liegt dem Rathaus direkt gegenüber und wurde im Jahr 1726/27 vom bekannten Baumeister und Stuckateur Joseph Meitinger erbaut. „Da es damals in Mertingen an Geld fehlte, blieb die Kirche ohne Stuck und vorerst ohne üppige Ausstattung“, erklärt mir Dr. Franz Xaver Ries. Die Gestaltung des Innenraums zog sich bis in die Stilepoche des Rokoko jahrzehntelang hin. Schließlich wurde im Oktober 1761 die Kirche vom Augsburger Weihbischof Franz Xaver Reichsfreiherr Adelmann von Adelmannsfelden eingeweiht. Wir treten aus der Kirche hinaus und verlassen über den alten Friedhof das Areal. Wir laufen entlang der Hilaria-Lechner-Straße und Dr. Ries führt mich über einen Kiesparkplatz zu einem kleinen eingezäunten Waldstück. „Dort befand sich früher der Schlossgarten. Mittlerweile wird dieses Teilstück im Volksmund als Hirschgarten bezeichnet“, so der Gemeindearchivar.

Der Ortskern im Wandel der Zeit 

Über die Mühlau laufen wir gemeinsam zum Zehentplatz. Dort, direkt in der Ortsmitte, befinden sich nicht nur zwei Banken, eine Apotheke und ein Ärztehaus, sondern auch das gerade entstehende neue Verwaltungsgebäude der Firma Zott. „Das Unternehmen Zott hat die Gemeinde Mertingen geprägt wie keine andere Firma“, erzählt mir Dr. Franz Xaver Ries. Bereits im Jahr 1926 wurde das Unternehmen gegründet. Aus der kleinen Landmolkerei, die von Anna und Balthasar Reiter betrieben  wurde, ist ein international agierendes Unternehmen geworden. Circa 1350 Mitarbeiter beschäftigt die Großmolkerei am Standort Mertingen – rund 300 sollen in das neue Verwaltungsgebäude im Ortskern Mertingens ziehen.

Der Zehentplatz in der Ortsmitte. Bild: Jenny Wagner

Von dem neuen Verwaltungsgebäude beeindruckt, folge ich Dr. Ries entlang der Fuggerstraße. Wir biegen gemeinsam in den Schulweg ein und machen uns auf den Weg über den Sportplatz zum Amphitheater. Im Jahre 2004 schlug der damalige Rektor Georg Meiershofer dem Bürgermeister Albert Lohner eine weitere Gestaltungsmöglichkeit des Areals vor. Am 29. Juli 2005 wurde schließlich das Amphitheater eingeweiht. „Dort finden vor allem Veranstaltungen des Kulturkreis Mertingen statt,
aber auch für eine Hochzeit eignet sich die Location ganz hervorragend“, erzählt Dr. Ries. Wir schlendern an der Grundschule vorbei und machen Halt an einem weiteren Kunstwerk.

Der „Wilde-Gjäg-Brunnen“ direkt vor dem Eingang der Antonius-von-Steichele Schule ist ein Werk des Wertinger Künstlers Manfred Nittbauer und symbolisiert die Sage vom Wilden Gjäg. Wir spazieren weiter und laufen gemeinsam zum Mertinger „Schmuttergrün“.

1050 Jahre Gemeinde Mertingen

Auf dem Weg dorthin erfahre ich einiges über die Geschichte von Mertingen, schließlich feiert die Gemeinde in diesem Jahr ihr 1050-jähriges Jubiläum. Im Jahr 969 wird der Ort als „mardinga“ erstmals urkundlich erwähnt. Die Herkunft des Namens „Mertingen“ lässt sich nicht eindeutig nachweisen. Eine Erklärung geht vom Rufnamen „Mardo“ aus, der auf das althochdeutsche „mardar“ – der Marder – zurückzuführen ist. Möglich ist aber auch, dass der heilige Martin bei der Namensgebung eine Rolle gespielt hat. Angekommen am „Schmuttergrün“, zeigt mir Dr. Franz Xaver Ries die Büste von Antonius von Steichele. Dieser war ein katholischer Priester, Historiker und Archivar. Er wurde außerdem Erzbischof von München und Freising. Er wurde als ältester Sohn einer armen Mertinger Kleinbauernfamilie geboren. Bekannt wurde Antonius von Steichele vor allem durch seine verantwortungsvolle Hilfsbereitschaft für die Armen und Notleidenden seiner Zeit.

Eine Oase im Grünen 

Der Gemeindearchivar und ich überqueren die Straße und eine kleine Treppe führt uns hinab zur Schmutter. Wir folgen dem Verlauf und gelangen zu einer kleinen Kneippanlage. Diese befindet sich im hinteren Bereich des Naherholungsgebiets. Gemeinsam mit verschiedenen Fitnessgeräten und einem Wohlfühlpfad bietet das „Schmuttergrün“ die perfekte Mischung aus Natur und Freizeitangebot. „Das Naherholungsgebiet wird von den Bürgern sehr gut angenommen“, erzählt mir Dr. Franz Xaver Ries.

 

Vom Bockberg aus hat man die beste Aussicht auf Mertingen. Bild: Jenny Wagner

Für den Abschluss unseres Spaziergangs benutzen der Gemeindearchivar und ich das Auto. Gemeinsam fahren wir auf den Burgberg, denn von dort aus hat man die beste Aussicht auf die Ortschaft. „Von hier aus kann man auch das Baugebiet ‚Zur Lotusblüte‘ sehen. Am Anfang wurde die Gemeinde für den Namen belächelt, aber mittlerweile sind selbst die schärfsten Kritiker verstummt. Denn diese Siedlungspolitik der Gemeinde und insbesondere des Bürgermeisters ist ein ungemeiner Erfolg“, so Dr. Ries.

Zusammen fahren wir wieder an das Rathaus und ich bedanke mich bei Dr. Franz Xaver Ries für die interessante Tour durch die Gemeinde Mertingen.