5. Februar 2020, 15:19

Grünes Gold aus der Toskana

Willy Schmitz lebt seit 2013 in Italien. Bild: privat
Willy Schmitz ist in Nördlingen aufgewachsen, bevor es ihn erst nach Berlin und schließlich nach Italien verschlagen hat. Seit 2013 lebt er dort zusammen mit seiner Partnerin in einem Olivenhain und stellt Bio-Olivenöl her – bis ein tragischer Brand fast sein komplettes Anwesen zerstörte. Aber davon lässt sich der Wahlitaliener nicht unterkriegen.



Touren mit dem Motorrad haben Willy Schmitz schon früher immer wieder in die Toskana geführt. 1998 ergab es sich, dass ein Anwesen in einem Olivenhain zum Verkauf stand und er das 1,5 Hektar große Grundstück und das Häuschen übernahm. Der Hain liegt in Montemagno bei Calci am Fuße der Hügelkette Monti Pisani – direkt an der Strada dell’ Olio, die „Straße des Olivenöls“, und nur zwölf Kilometer entfernt von Pisa.

15 Jahre lang pendelte Willy Schmitz alle zwei Monate zwischen Deutschland und der Toskana, bis er sich 2013 dazu entschloss, tatsächlich nach Italien zu ziehen. Dass er nun Olivenbauer ist, war so eigentlich nie geplant. Über die Jahre hinweg hat er sich viel Wissen und Fachkenntnis über die Olivenölherstellung angeeignet. Mitte bis Ende Oktober beginnen die Oliven ihre Farbe zu ändern. Grüne, gerade noch unreife Früchte haben einen intensiveren, charaktervollen Geschmack – die schwarzen, reifen Oliven haben zwar einen höheren Ölgehalt, geschmacklich ist ihr Öl aber eher unspektakulär. Um ein geschmacksintensives Öl zu erhalten und trotzdem einen guten Ertrag zu haben, muss Willy Schmitz den richtigen Zeitpunkt für die Ernte finden. Und auch die Art und Weise der Ernte spielt eine wichtige Rolle und beeinflusst den Geschmack und die Qualität des Öls. „Die Früchte müssen schonend geerntet werden“, erklärt Schmitz. Mit langen Stöcken auf die Bäume einzuschlagen, oder zu warten, bis die Oliven in ausgelegte Netze fallen, so mache es zwar mancher Olivenbauer, schonend sei das aber nicht, erklärt Willy Schmitz. Denn dabei entstehen Druckstellen auf der Haut der Oliven, es kommt zu Fermentation und Geschmacksfehlern. Deshalb ist bei Schmitz echte Handarbeit gefragt, denn am schonendsten ist immer noch das Pflücken. Sowieso legt der Olivenbauer viel Wert auf eine natürliche und ökologische Landwirtschaft. Von Spritzmitteln und Kunstdünger hält der Auswanderer nicht viel. Er verzichtet darauf komplett und kann so ein Olivenöl in Bioqualität herstellen. Dazu bringt Willy Schmitz im Jahr fast 500 Kilogramm Oliven in eine genossenschaftliche Ölmühle. Dort werden die Früchte gewaschen und in einer modernen Maschine samt Kernen zerkleinert. In einer Zentrifuge werden anschließend Flüssigkeiten von festen Bestandteilen und schließlich Wasser von Öl getrennt.

 

Bild: privat

Ein Großbrand vernichtete den Olivenhain

Über die Jahre hinweg hat Willy Schmitz sein Know-how über die Olivenernte und Ölherstellung erweitert und in Italien eine neue Heimat gefunden. Doch 2018 sollte sich alles ändern. Am 25. September brach ein verheerender Waldbrand in der Nähe der Gemeinde Calci aus. Das Feuer hatte sich auf einer Fläche von fast 600 Hektar ausgebreitet, hunderte Dorfbewohner mussten ihre Häuser aus Sicherheitsgründen verlassen, tagelang standen die Olivenhaine und Wälder rund um den höchsten Gipfel der Hügelkette in der Toskana in Flammen. In nur wenigen Stunden sind auf Willy Schmitz’ Grundstück fast 700 Olivenbäume abgebrannt – und auch sein Wohnhaus ist den Flammen zum Opfer gefallen. Einige Zeit vorher hat er sich eine Werkstatt im Dorf angemietet, zu der auch eine kleine Wohnung gehört. Dort kann er nun mit seiner Lebenspartnerin wohnen. Dass es sich bei der Ursache des Feuers um Brandstiftung handelte und dadurch fast sein ganzes Grundstück zerstört wurde, kann Willy Schmitz erstaunlich gut verkraften. Geholfen haben ihm dabei die italienischen Einheimischen. „Jeder bot seine Hilfe an. Nachbarn boten an, bei ihnen unterzukommen“, erinnert sich Schmitz. Und Fußballfans vom AC Pisa haben bei einer Aktion im Stadion Geld gesammelt und den Betroffenen gespendet.

Was auch Hoffnung macht: Die Olivenbäume sind zwar so gut wie zerstört, die Wurzelstämme allerdings noch erhalten. Heute – gut anderthalb Jahre nach dem Brand – haben sich die Pflanzen schon etwas erholt und sind teils hüfthoch nachgewachsen. Bis er wieder ernten kann, könnte es aber noch sechs bis sieben Jahre dauern. „Ich sehe es nun als Auftrag an, das alles wieder aufzubauen“, blickt Willy Schmitz positiv in die Zukunft.

Bis er selbst wieder Öl herstellen kann, vermarktet der Auswanderer nun hochwertiges Bioolivenöl von anderen Biobetrieben. Zu seinen Kunden zählen Stammkunden, kleine Feinkostgeschäfte und Gastronomiebetriebe.

Bild: privat